pro/contra: Braucht es einen Standard-Riester?

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Die Riester-Rente ist zu teuer, warnt Kornelia Hagen (DIW Berlin) und fordert deshalb ein Standard-Riester-Produkt. Joachim Haid (proRiester) hält dagegen und nennt drei wichtige Argumente, die in der Diskussion gern vergessen werden.

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Kornelia Hagen (DIW Berlin; links) streitet im Fernduell mit Joachim Haid (proRiester) über die Zukunft der Riester-Rente.

Die Riester-Rente wird bald volljährig, sie kommt damit in ein Alter, das mit Reife und Aufbruch zu Neuem verbunden wird. Zur Erinnerung: 2001 führte die Politik in Deutschland eine individuelle, freiwillige, kapitalgedeckte, steuerlich geförderte Altersvorsorge ein, um zukünftige Versorgungslücken in der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen. Den Zuschlag für den Vertrieb bekam die Versicherungs- und Finanzwirtschaft. Geriestert werden sollte flächendeckend; Schätzungen zufolge etwa 35 Millionen Menschen. Das Produkt sollte erschwinglich sein für Geringverdienende. Soweit – so gut?

"Riester-Rente keineswegs ausgereift"

Nein, die Riester-Rente ist keineswegs ausgereift. Sie wird nicht flächendeckend in Anspruch genommen. Die Zahl der Verträge lag Ende 2017 bei 16,5 Millionen und steigt seit einigen Jahren nur noch in lächerlichem Ausmaß – 2017 gegenüber 2016 beispielsweise um 23 Verträge! Hinzu kommt, dass jeder fünfte Vertrag ruht. Ende 2016 gab es rund 11 Millionen Geförderte. Nur etwas mehr als die Hälfte davon erhielt die volle Förderung, fast 20 Prozent bekamen sogar weniger als die Hälfte. Fakt ist auch, dass Geringverdiener unterrepräsentiert sind.

Kosten verhindern Abschluss

Sicher ist die Altersvorsorge für viele ein ungeliebtes Thema. Manche Befunde sprechen aber auch dafür, dass das Vertrauen in das Alterssicherungssystem gering ist. Weitere bedeutende Gründe für die Verweigerung sind (zu) hohe Vertriebs-, Abschluss- und Verwaltungskosten, Intransparenz von Kosten und Produkt sowie die teilweise Renditeschwäche der Produkte.
Grundsätzlich halte ich die private geförderte Altersvorsorge für einen Irrweg der Alterssicherungspolitik. Unter dem Aspekt, langfristig eine auskömmliche Versorgung im Alter zu sichern, sollte besser die gesetzliche Rentenversicherung gestärkt werden. Diese Option wird aber gegenwärtig eher ignoriert und findet vermutlich auch absehbar keine politischen Mehrheiten.

Vorsorge ohne Profit-Gedanke?

Nur in Anbetracht dessen sowie wegen der Konstruktionsfehler der Riester-Rente halte ich alternativ ein Basisprodukt für angemessen. Es müsste einfach, transparent und kostengünstig ausgestaltet und von einer vertrauenswürdigen Institution nicht profitorientiert verwaltet werden. Dies signalisierte zumindest einen kleinen Aufbruch in der privaten Altersvorsorge, könnte Vertrauen herstellen und die Vorsorgebereitschaft steigern. Prominent diskutiert wurden bislang die Deutschlandrente sowie das Vorsorgekonto, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann.
Die Bundesregierung kündigte einen Dialog mit der Versicherungswirtschaft an, damit zügig ein attraktives standardisiertes Riester-Produkt entwickelt werde. Ausgerechnet jene Branche soll das Produkt anbieten, die für die Defizite der Riester-Rente mit verantwortlich ist und sich wiederholt gegen ein Nonprofit-Produkt ausgesprochen hat? Dies steht nicht für einen Aufbruch und Dynamik, und ob sich darüber ein neuer Zusammenhalt motivieren lässt, ist äußerst zweifelhaft.

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