P&R-Pleite: Wo sind bloß die Container hin?

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Insolvenz der P&R-Gruppe: Der Verdacht hat sich bestätigt. Es wurden mehr Container an Anleger verkauft, als nun tatsächlich vorhanden sind. Weitere erste Ergebnisse der Bestandsaufnahme des Insolvenzverwalters liegen vor.

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Sie wurden öfter verkauft, als sie vorhanden waren: Container. pixabay / Pexels

Die fünf deutschen Gesellschaften der P&R-Gruppe sind insolvent. Nun meldete der Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé erste Ergebnisse bei der Bestandsaufnahme. Und die lassen für die betroffenen rund 54.000 deutschen Anleger nichts Gutes ahnen. So habe sich der Verdacht bestätigt, dass deutlich weniger Container vorhanden sind, als verkauft wurden. In einer Meldung des vorläufigen Insolvenzverwalters werden auch Zahlen genannt: Laut Unterlagen seien von den vier deutschen Containergesellschaften 1,6 Millionen Container an die Anleger verkauft worden. Die tatsächlich vorhandene Containerflotte umfasst allerdings nur 0,6 Millionen.

Derzeit werde aufgearbeitet, wie sich die Bestandsdifferenz über die Jahre entwickelt hat, so der Insolvenzverwalter, dessen Aufgabe es auch ist, Haftungsansprüche gegen die für die Vorgänge verantwortlichen Personen zu prüfen und durchzusetzen. Das könnte allerdings schwierig werden. Denn der Geschäftsführer, der die Geschäfte mehr als zehn Jahren geführt hatte, verstarb überraschend im Jahr 2016.

Anleger sollen Ruhe bewahren

Die Bestandsaufnahme habe aber auch gezeigt, dass die noch vorhandenen Container einen substantiellen Wert darstellen, so Jaffé. Mit künftigen Mieteinnahmen und spätere Verkaufserlöse sollen die Ansprüche der Anleger „bestmöglich“ befriedigt werden. Das allerdings kann Jahre dauern. Und Ansprüche gegenüber der Schweizer P&R Gesellschaft? „Ein Zusammenbruch der Schweizer Gesellschaft würde den Anlegern nichts nützen und auch keinen Mehrwert für sie bringen. Bricht die Wertschöpfungskette, an deren Ende die Anleger der deutschen Gesellschaften stehen, zusammen, wird sich der Schaden der Anleger weiter vertiefen. Eine realistische Zugriffsmöglichkeit auf die Container bestünde dann nicht. Vielmehr würden die Container in diesem Fall möglicherweise außer Dienst gestellt und weltweit zur Abdeckung der enorm hohen Standkosten durch Dritte zwangsverwertet. Für die Anleger würde dann nichts mehr übrigbleiben“, so Jaffé. Der vorläufige Insolvenzverwalter bat die Anleger erneut, Ruhe zu bewahren und die Fortschritte in den einzelnen Insolvenzverfahren abzuwarten. Auch wenn Anlegern kein Eigentums-Zertifikat vorliegt, können sie Ansprüche im Insolvenzverfahren geltend machen. Diese Forderungsanmeldung ist jedoch erst nach Eröffnung der Insolvenzverfahren möglich.

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