PKV: Beratungshonorar darf nicht erfolgsabhängig sein

Berater von Florian Burghardt

Der BdV hatte gegen den Versicherungsberater Minerva geklagt, weil er dessen PKV-Tarifwechsel-Geschäftsmodell für rechtwidrig hält. Nun haben die Richter entschieden. Bei Minerva spricht man von einem nachteiligen Urteil für Verbraucher.

Minervas Vergütungsmodell war für ihn nicht akzeptabel: BdV-Chef Axel Kleinlein.

Minervas Vergütungsmodell war für ihn nicht akzeptabel: BdV-Chef Axel Kleinlein. Bild: procontra

Der Bund der Versicherten e. V. (BdV) hat vor dem Landgericht München I einen juristischen Erfolg gegen den Versicherungsberater Minerva Kundenrechte GmbH erzielt. Wie der Verband mitteilt, hätten die Richter entschieden, dass sich das Beratungshonorar von Minerva nicht abhängig von einem Erfolgsmodell berechnen dürfe.

Minervas Kerngeschäft ist die Tarifwechselberatung in der privaten Krankenversicherung (PKV). Ein Beratungshonorar wird für die Kunden nur im Falle eines erfolgreich durchgeführten Tarifwechsels fällig. Die Höhe des Honorars bemisst sich dabei nach der monatlichen Beitragsersparnis in Folge des Wechsels. Laut BdV hatte dieses mehr als das Sechsfache der monatlichen Ersparnis betragen.

Neben der Höhe hatte der BdV aber vor allem das Modell an sich kritisiert. „Bei der Tarifwechselberatung handelt es sich um die Erbringung einer Rechtsdienstleistung. Daher unterliegt die Zulässigkeit der erfolgsabhängigen Vergütung den gleichen Voraussetzungen, die auch ein Rechtsanwalt zu beachten hat“, erläuterte BdV-Sprecher Axel Kleinlein damals die Auffassung der Verbraucherschützer. Dazu kamen noch weitere Kritikpunkte, die der BdV in Form einer Abmahnung an Minerva gerichtet hatte. Infolgedessen war es zur Klage gekommen und das LG München gab dem BdV nun Recht.

Kundenfeindliches Urteil?

Minerva dürfte sein PKV-Tarifwechsel-Geschäftsmodell daher nicht weiter betreiben wie bisher. Bei dem Versicherungsberater ist man allerdings auch weiterhin davon überzeugt, dass das ersparnisbezogene Vergütungsmodell das kundenfreundlichste ist. Die vom BdV erstrittene Entscheidung würde sich hingegen negativ auf die Verbraucher auswirken. So sagte Minerva-Geschäftsführer Nicola Ferrarese auf procontra-Nachfrage:

“Der BdV möchte, dass auch diese Kunden zahlen müssten, auch wenn Sie nach Prüfung im Ergebnis den Tarifwechsel nicht vollziehen beziehungsweise Minerva ihnen von einem Tarifwechsel abrät. Das ist aber inhaltlich falsch, denn im Ergebnis führt das dazu, dass die Kunden tendenziell aufgrund des Kostenrisikos von einer Prüfung beziehungsweise Beauftragung Abstand nehmen und somit das Versicherungsunternehmen weiterhin die überteuerten Beiträge erheben kann.”

Gegenüber procontra teilte Ferrarese außerdem mit, dass man von der Urteilsbegründung nicht überzeugt sei und sagte weiter: "Wir werden zur Erzielung von Rechtssicherheit Berufung einlegen."

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