Ombudsmann: Systematische Massenbeschwerden in Leben und Rechtsschutz

Versicherungen von Florian Burghardt

Bei der Schlichtungsstelle der Branche gingen 2017 wieder mehr Beschwerden ein. Vor allem die Rechtsschutz- und die Lebensversicherung waren betroffen. Eine gute Nachricht gibt es indes für Vermittler.

Sein Jahresbericht 2017 enthält auch eine gute Nachricht für Versicherungsvermittler: Ombudsmann Dr. Günter Hirsch.

Sein Jahresbericht 2017 enthält auch eine gute Nachricht für Versicherungsvermittler: Ombudsmann Dr. Günter Hirsch. Bild: Versicherungsombudsmann e.V.

Versicherungsombudsmann Dr. Günter Hirsch hat heute in Berlin seinen Jahresbericht 2017 vorgestellt. Laut diesem gingen im Berichtsjahr 19.754 Beschwerden bei der Schlichtungsstelle ein – etwa 0,9 Prozent mehr als im Vorjahr (19.579).

Wie schon im Tätigkeitsbericht des Ombudsmanns vermeldet, bleiben die Rechtsschutz- (4.015 Beschwerdefälle) und die Lebensversicherung (3.877) die hauptsächlichen Baustellen. Auf die beiden Sparten entfiel jeweils gut ein Viertel aller Beschwerden und bei beiden stieg die Anzahl der Fälle gegenüber 2016 um rund 5 Prozent.

Massenbeschwerden durch spezialisierte Kanzleien

In der Rechtsschutzversicherung liege das vor allem an Massenbeschwerden von spezialisierten Anwälten, heißt es im Jahresbericht. Diese würden gezielt und teilweise im großen Stil Mandate suchen – besonders beliebt sind Geschädigte aufgrund des Volkswagen-Abgasskandals – und sofern deren Rechtsschutzversicherung keine Deckungszusage erteilt, Masseneingaben an den Ombudsmann richten.

Dabei handelt es sich um eine Entwicklung, die auch bereits in den Beschwerdestatistiken der BaFin aufgefallen ist. Wenig verwunderlich also, dass auch Rechtsschutzversicherer Sammelklagen nach amerikanischem Vorbild bevorzugen. Mit dem kürzlichen Entwurf für eine Musterfeststellungsklage ist zwar ein großer Schritt gemacht. Ombudsmann Hirsch sieht aber noch Verbesserungsbedarf am Entwurf. Er empfiehlt, dass die Betroffenen für ihre Forderungen die zuständige Schlichtungsstelle in Anspruch nehmen können. Aktuell ist vorgesehen, dass jeder Geschädigte seine Ansprüche nochmals selbst gerichtlich durchsetzen muss – auch wenn ein Verband mit der Musterfeststellungsklage zuvor erfolgreich war.

In der Lebensversicherung sorgte das Thema „ewiges Widerspruchsrecht“ für einen großen Beschwerdebrocken. Dabei wurde ebenfalls ein von Anwälten organisierter Masseneffekt wie bei Rechtsschutz registriert. So gingen laut der Schlichtungsstelle allein von einer Anwaltskanzlei mehr als 450 Beschwerden zu dem Thema ein, das kürzlich auch der Neuen Leben Probleme bescherte.

Kaum Beschwerden über Vermittler

Eine positive Nachricht gibt es für Versicherungsvermittler: Die Beschwerden gegen sie sanken von 344 im Vorjahr auf 297 in 2017 – ein Rückgang um 13,7 Prozent. Darüber erfreut äußerte sich unter anderem BVK-Präsident Michael H. Heinz:

„Setzt man diese äußerst geringe Beschwerdequote über Versicherungsvermittler in Verhältnis zu rund 400 Millionen vermittelter Versicherungsverträge ist statistisch gesehen das Beschwerdeaufkommen über Versicherungsvermittler selbst im Promillebereich kaum darstellbar.“

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