Dividenden-Boom: Warum ETFs gemieden werden sollten

Investmentfonds Top News von Julia Groth

Deutschlands Unternehmen schütten im laufenden Jahr Rekordsummen an ihre Aktionäre aus. Wieder einmal. Wer in den Dividenden-Boom investieren will, sollte ETFs meiden und einige Dinge beachten.

Kai Hattwich Quirin Dividendenfonds Investment Geldanlage

„Dividenden-Indizes sind anfällig für Kursausschläge einzelner Aktien“, sagt Kai Hattwich, Quirin Privatbank. Bild: Quirin Privatbank

Die Dividendensaison neigt sich dem Ende zu, die Aktionäre dürften mehr als zufrieden sein. Börsennotierte Unternehmen in Deutschland haben im laufenden Jahr so viel Geld ausgeschüttet wie nie zuvor. Eine Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zeigt: Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Ausschüttungen um 11,6 Prozent – auf die Rekordsumme von 52,6 Milliarden Euro. Den größten Anteil an den Dividendenzahlungen leisteten mit 35,8 Milliarden Euro die 30 DAX-Unternehmen.

Dividenden haben für Anleger auf der Suche nach regelmäßigen Erträgen an Bedeutung gewonnen. Ausschüttungsstarke Aktien kommen heute sogar oft als Anleihen-Alternativen zum Einsatz. Wegen der niedrigen Zinsen ist der Abstand zwischen den Dividendenrenditen und den Renditen von Staats- sowie Unternehmensanleihen in Europa größer als je zuvor, zeigt eine Analyse von Allianz Global Investors. Die Kurse von Dividendenpapieren schwanken zwar stärker als die von Zinspapieren. In der Vergangenheit konnten die Ausschüttungen aber Kursverluste teilweise oder sogar komplett ausgleichen.

Volatilität kehrt zurück

In den kommenden Jahren dürften dividendenstarke Aktien attraktiv bleiben. Grund dafür sind neben rekordhohen Ausschüttungen der Unternehmen die aktuellen Trends an den Finanzmärkten. Bei Renteninvestments sorgen steigende Zinsen für Kursverluste, zugleich ist das absolute Zinsniveau insbesondere in Europa noch immer niedrig. Aktienanleger haben wiederum seit einigen Monaten mit höherer Volatilität zu kämpfen. Dividendentitel bieten dank der Kombination aus Ausschüttung und Kurspotenzial einen Ausweg aus diesem Dilemma.

Dividendenjäger sollten darauf achten, dass Unternehmen nicht nur im laufenden Jahr hohe Ausschüttungen leisten. Die Dividende sollte über mehrere Jahre hinweg stabil, besser noch gestiegen sein. Unter den DAX-Konzernen hat beispielsweise die Allianz in sieben der vergangenen zehn Jahre ihre Ausschüttung angehoben, beim Chemiekonzern BASF stieg die Dividende zuletzt in acht von zehn Jahren. Außerhalb Deutschlands bietet sich etwa die Aktie von Nestlé als Investment für Dividenden-Fans an. Der Schweizer Nahrungsmittel-Multi hat in der vergangenen Dekade in jedem einzelnen Jahr die Ausschüttung angehoben. Für das Geschäftsjahr 2017 bekamen Aktionäre 2,35 Franken (1,96 Euro) je Aktie. Wollen Anleger über einen Fonds in ausschüttungsstarke Aktien investieren, sollten Berater ihnen von passiven Produkten abraten.

Dividenden-ETFs haben nämlich zwei gravierende Schwächen: Erstens sind hohe Dividendenrenditen nicht immer auf hohe Ausschüttungen zurückzuführen, sondern könnten ebenso gut auf gefallene Aktienkurse hindeuten. ETF-Anleger sind dieser Marktmechanik schutzlos ausgeliefert. Zweitens seien viele Dividenden-Indizes nicht ausreichend diversifiziert, warnt Kai Hattwich, ETF-Experte der Quirin Privatbank. „Durch die geringe Streuung sind sie anfälliger für Kursausschläge einzelner Aktien“, sagt er. Ein solider, aktiv verwalteter Dividendenfonds liefert im Zweifel die bessere Mischung für Dividenden-Fans.

 

Dividendenfonds
procontra
Rekordausschüttungen im laufenden Jahr im laufenden Jahr hohe Dividendenrendite kann auf Kursverluste hinweisen
Regelmäßige Ausschüttungen als Zinsersatz Ausschüttungen als Zinsersatz hohe Ausschüttung muss nicht von Dauer sein
Ausschüttungen können Kursverluste kompensierenWahl des passenden Produkts ist nicht ganz einfach

 

 

Der Text erscheint auch in der kommenden procontra ab 08. Juni 2018.

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