Fernbehandlung: Verbot gelockert

Versicherungen von Michael Fiedler

Telemedizin: Der Deutsche Ärztetag hat sich für eine Stärkung der Fernbehandlung ausgesprochen. Unter welchen Bedingungen Patienten in Zukunft per Video beraten werden könnten und wie Krankenversicherer auf den Vorstoß reagieren.

Telemedizin Krankenversicherung PKV

Bunte Pillen via Bildschirm... einen kleinen Vorgeschmack auf Telemedizin bieten wir Ihnen schon heute. pixabay / rawpixel

Das Fernbehandlungsverbot in Deutschland soll kippen. Das jedenfalls beschloss der 121. Deutsche Ärztetag in Erfurt. Demnach soll § 7 Absatz 4 der (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte neugefasst werden. Derzeit heißt es dort noch: „Ärztinnen und Ärzte dürfen individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien durchführen. Auch bei telemedizinischen Verfahren ist zu gewährleisten, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Patientin oder den Patienten unmittelbar behandelt.“

Damit war es Ärzten in Deutschland bisher nicht erlaubt, ausschließlich via Fernbehandlung tätig zu sein. Und auch die Werbung für diese Praxis ist aus wettbewerbsrechtlicher Sicht umstritten.

Das könnte sich nun mit dem Beschluss des Ärztetages ändern. Der neue Absatz lautet nun:
„Ärztinnen und Ärzte beraten und behandeln Patientinnen und Patienten im persönlichen Kontakt. Sie können dabei Kommunikationsmedien unterstützend einsetzen.
Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien ist im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird.“

Im nächsten Schritt müssen die Landesärztekammern die Regelung in ihren jeweiligen Berufsordnungen umsetzen.

Reaktionen aus der Versicherungs-Branche

In der Versicherungsbranche gewinnt Telemedizin an Bedeutung. Neben ottonova, die als erstes deutsches Krankenversicherungsunternehmen auf telemedizinische Angebote setzten, verfolgen auch Arag, Barmenia und Debeka eigene Ansätze in Sachen Fernbehandlung. Dr. Roman Rittweger, CEO und Gründer von ottonova, begrüßte die Entscheidung: „Die Aufhebung des Fernbehandlungsverbotes zeigt uns, dass wir mit unseren Ideen und Innovationen auf dem richtigen Weg und maßgeblich daran beteiligt sind, die Digitalisierung und Modernisierung der Krankenversicherung in Deutschland voranzutreiben.“

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