Das Kleinkind, der Tritt und das scheuende Pferd

Berater Recht & Haftung von Martin Thaler

Das Poltern eines Kindes hatte ein Pferd derart erschreckt, dass deren Besitzerin schwerwiegende Verletzung erlitt. Das Amtsgericht Nürnberg musste nun entscheiden, ob die Großmutter des Kindes haftbar gemacht werden könne.

Pferde sind Fluchttiere - ihr Verhalten sorgt jedoch immer wieder für Streitigkeiten.

Pferde sind Fluchttiere - ihr Verhalten sorgt jedoch immer wieder für Streitigkeiten. Foto: 3938030 - Pixabay.de

Pferde sind Fluchttiere – wenn sie Gefahr registrieren, ergreifen die Tiere die Flucht. Pferdebesitzer wissen dies eigentlich – und dennoch beschäftigen Unfälle mit Pferden häufig die Gerichte. Vor dem Amtsgericht Nürnberg ging es nun um einen Fall, in dem es um kleine Kinder, Lärm und ein scheuendes Pferd ging (Az: 239 C 1390/17).  

Was war passiert?  

Eine Frau hatte mit ihren zwei Enkeln eine Reitsporthalle besucht. Damit der Enkel besser sehen konnte, setzte ihn die Frau auf eine Holzbande. Mit seinen Turnschuhen trat der Dreijährige irgendwann gegen die Bande. Durch das laute Poltergeräusch erschreckte sich ein Pferd, was von seiner Besitzerin an Zügeln durch die Halle geführt wurde, und ging nach hinten. Durch die plötzliche Rückwärtsbewegung des Tieres rutschte die Hand der Pferdeführerin in den Zügel und wurde nach hinten gerissen. Die Folge: Eine Verletzung an der Schulter.  

Die Pferdebesitzerin klagte darauf – sie wollte von der Frau ein Schmerzensgeld in Höhe von 3.000 Euro. Zudem war die Frau nach dem Unfall zeitweilig nicht mehr in der Lage gewesen, ihren Haushalt selbst zu führen. Zusätzlich verlangte sie von der Beklagten somit einen Ersatz für den von ihr angegebenen Haushaltsführungsschaden in Höhe von 1879,22 Euro.  

Das Urteil  

Das Nürnberger Amtsgericht wollte der Klage der Pferdebesitzerin allerdings nicht folgen. Zwar sei das Verhalten der Beklagten ursächlich für die Verletzungen der Klägerin, dies allein sei aber nicht ausreichend. So müsse der Schaden der Beklagten adäquat zurechenbar sein, hielten die Nürnberger Richter fest. Diese Voraussetzung sei aber im vorliegenden Fall nicht gegeben. So habe sich die Frau mit ihren Enkeln in der Reitsporthalle aufhalten dürfen. Zudem sei es auch nachvollziehbar, dass sie ihren Enkel auf die Bande setzte, damit dieser besser sehen könne. Dabei habe sie zwar geringfügig eine Grenze überschritten, da die Kinderfüße in das „Reitfeld“ hineinragten. Maßgeblich für die Verletzungen der Pferdebesitzerin sei aber das Verhalten des Pferdes gewesen, so das Gericht. Dessen Verhalten liege in der Sphäre der Besitzerin.  

Für die Beklagte sei nicht vorhersehbar bzw. vermeidbar gewesen, dass das Pferd auf das Poltergeräusch derart schreckhaft reagiert. So sei sie vor Betreten der Reithalle auch nicht darauf hingewiesen worden, dass sie sich dort besonders leise verhalten müsse, da Pferde sich auch durch alltägliche Geräusche erschrecken können.  

Die Pferdebesitzerin legte zunächst Berufung gegen das Urteil ein. Nachdem das Landgericht Nürnberg-Fürth aber in einem Hinweisbeschluss erklärte, dass die rechtliche Würdigung des Amtsgerichtes zutreffend sei, zog die Frau ihre Berufung zurück.  

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