BVI: „Mit PRIIPs droht bewusste Fehlinformation der Anleger“

Investmentfonds von Michael Fiedler

Der Investment Branchenverband BVI schlägt Alarm in Sachen PRIIPs und fordert Korrekturen, bevor die PRIIP-Verordnung auf alle Publikumsfonds angewandt wird. Was der Verband kritisiert und welche Forderungen er erhebt.

BVI Thomas Richter PRIIPs

Fordert Änderungen bei der PRIIPs-Verordnung: Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Investment (BVI). Bild: BVI

Das PRIIPs-Informationsblatt muss bislang nur bei Fondspolicen an Privatanleger ausgehändigt werden. Laut PRIIPs-Verordnung würde sich das aber 2020 ändern. Dann werden die derzeit verwendeten Wesentlichen Anlegerinformationen (WAI) durch PRIIPs-Informationsblätter ersetzt. Das hält Thomas Richter, BVI-Hauptgeschäftsführer, für „unverantwortlich gegenüber den Verbrauchern“. Die PRIIPs-KID seien mangelhaft und müssten dringend überarbeitet werden, so der BVI.

Bewusste Fehlinformation droht

Die Kritik bezieht sich insbesondere auf die Angaben zu Kosten und zur Wertentwicklung. So sollen Investmentfonds bei der Wertentwicklung drei Szenarien auf Basis von Daten aus der Vergangenheit erstellen. Dadurch würden aber Verzerrungen entstehen, kritisiert der BVI. So könnten die Szenarien beispielsweise nach einem mehrjährigen Börsenaufschwung mit anschließendem Einbruch der Kurse zu positiv ausfallen und die aktuelle Entwicklung ignorieren. Anlegern drohe so eine bewusste Fehlinformation, warnte der Branchenverband.

Berechnung der Transaktionskosten korrigieren

Ein weiterer Kritikpunkt des BVI betrifft die Berechnungsmethode der Transaktionskosten. Die vorgesehene Methode will die Differenz zwischen dem tatsächlichen Preis beim Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers und dem „mittleren Marktpreis“ als Transaktionskosten festlegen („Arrival-Price-Methode“). In weniger liquiden Märkten wie bei Anleihen, führe das regelmäßig zu falschen oder sogar negativen Transaktionskosten, so der BVI. Als Beleg verweis der Verband darauf, dass heute schon etwa drei Prozent aller in Europa vertriebenen Fonds negative Transaktionskosten ausweisen. „Sollte die Arrival-Price-Methode zwingend für alle Fonds vorgeschrieben werden, dürfte dieser Anteil deutlich höher ausfallen“, so der Branchenverband.

Überprüfung vorgesehen

Für Ende 2018 ist eine Prüfung der PRIIPs-Vorschriften geplant. Doch die könnte sich verzögern – schließlich sind im Mai 2019 EU-Wahlen vorgesehen. Auch mit Blick darauf schlägt der BVI deshalb vor, den Starttermin für das PRIIPs-KID auf Januar 2022 zu verschieben, um die „gravierenden und komplexen Mängel“ zu überarbeiten.

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