Betriebliche BU: Welche Vorteile bietet das?

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Nicht nur Renten- und Krankenversicherung sind als betriebliche Varianten erhältlich. Auch Berufsunfähigkeit kann als betriebliche Variante versichert werden. Welche Vorteile das hat, erklären Versicherungsmakler Heiner Herbring und Andreas Seidl im Interview.

Berufsunfähigkeit BU Makler vfm

Die Makler Andreas Seidl (rechts) und Heiner Herbring im Interview.

procontra: Welche Fachkenntnis braucht denn ein Vermittler, der zu betrieblichem Personenschutz beraten will?

Andreas Seidl: Natürlich reicht als Mindestqualifikation der Kaufmann für Versicherung und Finanzen. Wir empfehlen zusätzlich den Fachberater für betriebliche Altersversorgung. Er sollte zudem noch die Ergänzung zum Fachberater für betriebliches Entgeltmanagement vorweisen können, um wirklich gut in der Materie zu sein.

procontra: Neben der klassischen Betriebsrente und Gruppen-Unfallschutz gibt es mittlerweile auch Kranken- und Berufsschutz über den Betrieb. Welche Entwicklung beobachten Sie hier?

Heiner Herbring: Neben der klassischen Direktversicherung wird das betriebliche Entgeltmanagement als Mittel zur Mitarbeiterbindung immer interessanter. Dabei gibt es die verschiedensten Bausteine, wie etwa einen Menüscheck oder eine Firmenkreditkarte. Ein hervorragendes Instrument zur Mitarbeiterbindung ist zudem die betriebliche Krankenversicherung. Sie kann über Vorsorgeuntersuchungen zur Reduktion von Fehlzeiten durch Arbeitsunfähigkeit beitragen. Durch die Früherkennung von Krankheiten sind die Behandlungsmöglichkeiten vielseitiger und die Heilungschancen größer.

procontra: Eine selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) in Form einer betrieblichen Direktversicherung (bBU) gilt als Geheimtipp. Welche Vorteile gibt es?

Herbring: Grundsätzlich gilt, dass man die Mandanten zum Risiko der Berufsunfähigkeit aktiv beraten muss. Bei der betrieblichen Absicherung ist der Nettoaufwand deutlich niedriger, dazu kommen Vorteile wie vereinfachte Gesundheitsprüfung und ein Zuschuss vom Arbeitgeber. Damit steigt die Bereitschaft, sich bedarfsgerecht abzusichern.

procontra: Welche Nachteile müssen die Mitarbeiter gegenüber dem privaten Berufsschutz kennen?

Seidl: Bei jeder steuer- und sozialversicherungsfreien Umwandlung von Entgelt zugunsten betrieblicher Altersversorgung werden weniger Entgeltpunkte für die gesetzliche Rente erworben. Gegenüber einer privaten Absicherung muss die Rente aus der bBU immer voll versteuert und in der gesetzlichen Krankenversicherung verbeitragt werden. Wenn man aber im Gegenzug die mit dem günstigen Nettobeitrag aus der bBU maximal erreichbaren BU-Rentenhöhe im privaten Bereich vergleicht, weichen die Nettorenten aus der bBU nicht mehr negativ ab.

procontra: Sie haben testweise untersucht, wer den Berufsschutz über die Firma ohne individuelle Gesundheitsprüfung anbietet. Wie ist ein solches Angebot überhaupt möglich?

Seidl: Einige Assekuranzen scheuen das zu hohe Risiko ganz. Grenzenlos ist das Angebot nirgendwo. Ein Angebot mit einer sogenannten Dienstobliegenheitserklärung (DO) ist abhängig von einer Mindestanzahl an zu versichernden Personen. Meist reichen 10 zehn Mitarbeiter. Zudem gibt es maximale Rentenhöhen und die Formulierungen der DO-Klausel sind teils sehr unterschiedlich.

procontra: Ab 2019 muss der Arbeitgeber sich mit mindestens 15 Prozent am Berufsschutz beteiligen. Wird das einen Boom auslösen?

Seidl: Mit einem „Boom" rechne ich nicht. Aber sicherlich kann dies generell einen konkreteren Anreiz über die gesamte bAV auslösen, und deshalb sollten Arbeitgeber auch an die Ergänzung der Betriebsrente mit einer bBU nachdenken.

procontra: Wie ist nach Ihrer Erfahrung die Akzeptanzquote bei den Mitarbeitern, wenn der Chef den Berufsschutz mitfinanziert?

Herbring: Die ist deutlich höher. Auch die Mitarbeiterbindung steigt, wenn entsprechend objektiv beraten wurde. Es ist auch ein Mittel, Mitarbeiter zu werben und zu behalten.

Mehr zum Thema betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung finden Sie in der kommenden procontra

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