Niedrigzinsen kosten jeden Deutschen 86 Euro pro Quartal

Investmentfonds von Martin Thaler

Die Deutschen sparen und sparen - verlieren aber dennoch Geld. Allein im ersten Quartal verloren die Deutschen Milliarden Euro, wie eine neue Studie zeigt.

Die Deutschen sparen weltmeisterlich, doch verlieren immer mehr Geld.

Die Deutschen sparen weltmeisterlich, doch verlieren immer mehr Geld. Foto: comdirect

Die vorherrschenden Niedrigzinsen sowie die langsam wieder anziehende Inflation zehren zunehmend am Geldbeutel der Deutschen. So hat der durchschnittliche Deutsche im Schnitt seit 2010 999 Euro verloren, wie dem neuen Realzins-Radar der comdirect Bank und Barkow Consulting (siehe Grafik; Klicken zum Vergrößern) zu entnehmen ist.  

Allein im ersten Quartal verloren die meist schlecht verzinsten Geldeinlagen der Deutschen 7,1 Milliarden Euro, also 86 Euro pro Bürger (Kleinkinder eingerechnet). Rechnet man diese Zahl auf das gesamte Jahr hoch, kommt am Jahresende ein Wertverlust von 28,4 Milliarden Euro zutage.  

„Die Deutschen gehören zu den eifrigsten Sparern weltweit, und trotzdem verlieren sie Jahr für Jahr viele Milliarden Euro - das ist paradox", sagt Arno Walter, Vorstandsvorsitzender der comdirect Bank AG.  

Wie ist dieses Paradox aufzuklären? Die Ursache für den Wertverlust ist auch im Anlageverhalten der Deutschen zu suchen, die ihre Euros meist in Tagesgeld, Festgeld und andere festverzinsliche Spareinlagen anlegen. Hierauf können die Banken aufgrund des derzeitigen EZB-Leitzinses von null Prozent jedoch derzeit kaum Zinsen zahlen – 0,20 Prozent betragen diese laut Comdirect Bank derzeit im Durchschnitt. Die Inflation betrug hingegen in den ersten drei Monaten des Jahres bei 1,5 Prozent, so dass sich für die Sparer ein Realzins von minus 1,3 Prozent ergab.  

Deutsche setzen weiter auf Festverzinsliches

Die Deutschen lässt dies hingegen offenbar kalt. So flossen in den vergangenen zwölf Monaten weitere 79 Milliarden Euro in Tagesgelder, Festgelder und Spareinlagen. Das Gesamtvolumen dieser Einlagen beträgt damit 2,2 Billionen Euro.  

Walter plädiert deshalb an die Deutschen, ihr Sparverhalten zu ändern: „Wenn ein mit Wasser gefülltes Fass ein Leck hat, würde man versuchen, das Loch zu stopfen. Deutsche Sparer verhalten sich anders: Sie schütten immer mehr Wasser in das Fass in der Hoffnung, so den Pegel halten zu können.“ Stattdessen sollten die Deutsche auch Aktien für den langfristigen Vermögensaufbau ins Auge fassen.

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