Kündigungen in Zeiten niedriger Zinsen

Sachwerte von Michael Fiedler

In Niedrigzinszeiten müssen Kosten niedrig gehalten werden. Dieses Prinzip versuchen Kreditinstitute auch bei langfristigen Spar- und Bausparverträgen anzuwenden – zum Nachteil der Kunden. Welche Strategien die Finanzinstitute dabei verfolgen, haben die Marktwächter Finanzen untersucht und zusammengestellt.

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Wer Gewinne steigern will, muss die Kosten im Griff behalten. Wie Bausparkassen und Sparkassen unliebsame Altverträge loswerden wollen. pixabay / sheadquarters

Nach Steuern erzielten die 386 deutschen Sparkassen 2017 ein Ergebnis von 2,2 Milliarden Euro. Das sind 149 Millionen Euro (7,4 Prozent) mehr als im Vorjahr. "Dieses Ergebnis spiegelt die hervorragende unternehmerische Leistung der Vorstände und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Sparkassen wider", so Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), auf der Bilanz-Pressekonferenz der Sparkassen-Finanzgruppe in Frankfurt am Main.

Der Verbandschef betonte, dass es für den geschäftlichen Erfolg entscheidend sei, die Kosten im Griff zu halten. Ein Credo, das bei den Sparkassen offenbar angekommen ist. So sparten die Sparkassen allein beim Personal 71 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr ein. Das reicht aber noch nicht. Die Sparkassen wollen weitere "Kostentreiber" loswerden. Dazu zählen wohl auch langfristige Sparverträge. So berichtet die Verbraucherzentrale Sachsen mehreren tausend Kündigungen durch die Kreissparkasse Bautzen. Zwar konnte die Kündigung der Verträge nicht verhindert werden, aber Andreas Eichhorst, Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen, konnte erreichen, dass den betroffenen Kunden ein Alternativangebot unterbreitet wird.

Alternativ: 1,10 Prozent

Bei dem Alternativangebot handelt es sich um ein Sparbuch mit 1,10 Prozent Zinsen/Jahr. Zuzahlungen sind nicht möglich; (Teil) Verfügungen sind jedoch zugelassen. Laut VZ Sachsen soll den Kundenautomatisch auch die anteilige Prämie bis zum Tag der Beendigung des alten Sparvertrags gutgeschrieben. Die Betroffenen müssen sich nun bis zum 30. September entscheiden, ob sie dieses Angebot annehmen. Bis dahin werden die Sparkassen auf die betroffenen Kunden zugehen und Fonds, Anleihen, Versicherungen oder Bausparverträge anbieten. "Alle diese Produkte haben ein anderes Risiko als ein Sparbuch und zum Teil erhebliche Kosten", gibt Eichhorst zu bedenken.

Ob solche Prämiensparverträge überhaupt seitens der Kreditinstitute gekündigt werden können, ist noch nicht ausgeurteilt. Derzeit laufen Klagen gegen verschiedene sächsische Sparkassen. Eichhorn gibt sich hinsichtlich eines positiven Verfahrungsausgangs zuversichtlich.

Kündigungsversuche kein Einzelfall

Doch Vorgehensweise der sächsischen Sparkassen ist kein Einzelfall. So erhielten die Marktwächter Finanzen zwischen Oktober 2015 bis Ende 2017 mehr als 900 Fälle im Zusammenhang mit langfristigen Spar- oder Bausparverträgen, die seitens des Kreditinstituts vorzeitig gekündigt wurden oder deren Beendigung vom Kreditinstitut beabsichtigt wurde. Zu etwa jedem vierten Fall lagen die kompletten Vertragsunterlagen und Anschreiben der Unternehmen zur Auswertung vor. Diese Auswertung haben die Marktwächter nun abgeschlossen und vorgelegt. Auf den 44 PDF-Seiten wird ausführlich dargelegt, welche Strategien Banken und Sparkassen nutzen, um Kunden zur Aufgabe ihres Altvertrags zu bewegen.

"Indem Finanzinstitute versuchen, Sparverträge zu beenden, deren vertraglich vereinbarte Laufzeit noch nicht erreicht ist oder die als langfristige Geldanlage zum Beispiel zur Altersvorsorge beworben wurden, stellen sie das Prinzip der Vertragstreue in Frage", betont Beate Weiser, Referentin Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

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