GDV entwickelt Standard-Riester-Produkt

Versicherungen Top News von Martin Thaler

Der Druck auf die Versicherungswirtschaft nimmt zu - Hessen macht im Bundesrat Druck im Hinblick auf die Einführung der Deutschlandrente. Nun geht die Versicherungswirtschaft in die Offensive und arbeitet an einem Standard-Riester-Produkt.

Der GDV arbeitet einem Pressebericht zufolge an einem Standard-Riester-Produkt.

Der GDV arbeitet einem Pressebericht zufolge an einem Standard-Riester-Produkt. Foto: procontra

Deutschland-Rente? Bloß nicht. Die Befürchtung vor der Einführung eines staatlich organisierten Standardprodukts zur privaten Altersversorgung ist bei den deutschen Versicherern offenbar mittlerweile so groß, dass man beim GDV derzeit an einem eigenen Riester-Standardprodukt werkelt. Dies berichten die Süddeutsche Zeitung und der Versicherungsmonitor.

Noch vor der Sommerpause will der Interessenverband der Versicherer sein neues, deutlich vereinfachtes Produkt präsentieren. „Die Kosten werden sehr deutlich reduziert, natürlich auch die Beratung“, wird ein an der Entwicklung beteiligter Manager in der Süddeutschen Zeitung zitiert.  

Damit greift die Versicherungswirtschaft dem aktuellen Koalitionsvertrag voraus. Hier hatten Union und Sozialdemokraten vereinbart, ein Standard-Produkt im Dialog mit den Versicherern zu entwickeln. Darauf können bzw. wollen die Versicherer aber nicht warten. Sie sehen sich zunehmend unter Druck. Erst Ende März hatte Hessen die hier vor Ort entwickelte Deutschland-Rente weiter vorangetrieben und einen entsprechenden Antrag in den Bundesrat eingebracht.  

Politik macht Druck

Hierin heißt es, dass der bisher erreichte Grad der Verbreitung der ergänzenden kapitalgedeckten Altersvorsorge unzureichend sei – ein klarer Verweis auf die seit Jahren stagnierenden Riester-Zahlen. In der Kritik stehen hier immer wieder die hohen Abschlusskosten. Die Deutschland-Rente soll deswegen staatlich organisiert werden. „Erfahrungen anderer Staaten zeigen, dass ein solches Produkt erfolgreich vom Staat organisiert werden kann“, heißt es hierzu im von Hessen eingebrachten Entschließungsantrag.

Die Deutschlandrente sieht unter anderem eine Opting-out-Pflicht vor, so dass alle Arbeitnehmer, die nicht aktiv widersprechen oder über eine ausreichende betriebliche  oder anderweitig private Altersvorsorge verfügen, automatisch einbezogen werden.  

Nicht nur zwischen Kassel und Darmstadt stößt die Deutschlandrente dabei auf Fürsprecher. So hatte der Bundesrat im vergangenen Jahr in seiner Stellungnahme zum europäischen Altersversorgungsprodukt PEPP festgehalten: „Er [der Bundesrat, Anm. der Red.] ist der Ansicht, dass es aber zumindest auf dem deutschen Markt der privaten Altersvorsorge bisher an Basisprodukten mangelt, die einfach ausgestaltet, kostengünstig und transparent sind und die idealerweise von einer Non-Profit-Organisation angeboten würden.“ Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich im vergangenen Jahr auf dem Verbrauchertag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV) die Deutschlandrente als „interessantes Produkt“ bezeichnet.  

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