Weniger Vermittlerbeschwerden und kuriose Fälle

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Nach dem drastischen Anstieg im Jahr 2016 gab es im vergangenen Jahr weniger Beschwerdefälle über Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler bei der Wettbewerbszentrale. Dafür kam es 2017 zu einigen kuriosen Verfahren.

Das Verhalten mancher Versicherungsvermittler sorgte 2017 bei der Wettbewerbszentrale für einige Überraschung.

Das Verhalten mancher Versicherungsvermittler sorgte 2017 bei der Wettbewerbszentrale für einige Überraschung. Bild: RobinHiggins/Pixabay

Die Anzahl der Beschwerden über Vermittler aus der Versicherungs- und Finanzbranche ist im Jahr 2017 leicht gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Das geht aus dem Jahresbericht 2017 der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs Frankfurt am Main e.V. (Wettbewerbszentrale) hervor. Insgesamt gingen 147 Anfragen und Beschwerden bei der Kontrollinstitution ein (2016: 149). Von 2015 auf 2016 hatte es noch einen deutlichen Anstieg um 20 Prozent gegeben.

Die 147 registrierten Fälle betreffen zudem nicht allesamt Versicherungsvermittler, sondern die Branche Finanzen, in der die Beschwerden über Versicherer und Versicherungsvermittler mit denen über Banken und andere Finanzdienstleister zusammengefasst werden.

Im Vergleich zu anderen Branchen gibt es im Finanzbereich traditionell eher weniger Beschwerden bei der Wettbewerbszentrale. Nur in der Textil- und Bekleidungsbranche (133) und der Personenbeförderung (97) waren es weniger. In der Gesundheitsbranche (Ärzte, Apotheker usw.) kam es mit 1.126 zu den meisten Vorfällen. Diese drehen sich meistens um Irreführung, belästigende Werbung oder Verstöße gegen Marktverhaltensregeln. Insgesamt verzeichneten fast alle Branchen einen Rückgang, so dass den 10.900 Fällen aus 2016 im vergangenen Jahr nur noch 10.478 Fälle gegenüberstanden.

Verfahren gegen Versicherungsvermittler

Die Wettbewerbszentrale sei zwar stets um außergerichtliche Einigungen bemüht, gleichwohl hatte sie im Jahr 2017 insgesamt 590 Gerichtsverfahren führen müssen, heißt es im Jahresbericht. Mit 292 konnte rund die Hälfte davon abgeschlossen werden. In gut 90 Prozent der Fälle wurde ein Urteil zu Lasten der Beklagten oder eine Unterlassung erwirkt.

Auf Seiten der Versicherungsvermittler betraf dies beispielsweise einen Ausschließlichkeitsvertreter, dessen Mitarbeiterin sich der belästigenden Werbung am Telefon schuldig gemacht hatte. Kurios: In einem theatralischen Verfahren wollte der Agentur-Chef weder vom Telefonat, noch von der Mitarbeiterin Kenntnis haben. Die ganze Geschichte inklusive Ergebnis lesen Sie hier.

In einem anderen Fall hatte sich ein Vermittler von Reisekrankenversicherungen selbst als „Testsieger“ bezeichnet – allerdings ohne ein solcher zu sein. Auch sein Versprechen „Alle großen Versicherer im Vergleich“ lief ins Leere und wurde von der Wettbewerbszentrale unterbunden (F 5 0140/17) – procontra berichtete.

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