VW-Skandal: Rechtsschutzversicherer befürworten Sammelklagen

Versicherungen von Florian Burghardt

Fast täglich werden neue Urteile im Abgasskandal gefällt. Wäre es nicht von Vorteil, die vielen Verfahren zu bündeln? Die Mehrheit der Deutschen ist für die Einführung von Sammelklagen. Auch die Rechtsschutzversicherer haben Argumente.

Die Mehrheit der Deutschen ist für die Einführung von Sammelklagen hierzulande. Auch Rechtsschutzversicherer sehen Vorteile.

Die Mehrheit der Deutschen ist für die Einführung von Sammelklagen hierzulande. Auch Rechtsschutzversicherer sehen Vorteile. Bild: aerogondo2

Im Volkswagen-Abgasskandal gab es vergangene Woche ein aus Verbrauchersicht erfreuliches, wenn auch noch nicht rechtskräftiges Urteil. Zahlreichen übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat das Hamburger Landgericht (Az. 329 O 105/17) ein VW-Autohaus dazu verurteilt, ein Dieselfahrzeug mit manipulierter Schadstoff-Software gegen ein mangelfreies Neufahrzeug zu ersetzen – und das, obwohl eine Nachbesserung der Software bereits erfolgt war.

Von solchen Erfolgen träumen sicher viele Dieselfahrer und ziehen mit ihren Forderungen vor Gericht. Wer rechtsschutzversichert ist, beantragt dafür natürlich Kostenübernahme bei seinem Versicherer. Wie GDV-Zahlen zeigen, stieg die Anzahl der Schäden in der Rechtsschutzversicherung seit Bekanntwerden des Abgasskandals im Jahr 2015 überdurchschnittlich an. Auch die ausbezahlten Leistungen wuchsen zuletzt deutlich (um 5,2 Prozent im Jahr 2016), obwohl nicht jede Dieselgate-Klage eine Deckungszusage erhält.

Mehrheit der Deutschen ist dafür

Um in Sachen Schummel-Software ihr Recht durchzusetzen, sprechen sich, je nach Fragestellung, zwischen 63 und 79 Prozent der Deutschen für die Einführung von Musterfeststellungsklagen hierzulande aus. Das geht aus dem Roland Rechtsreport 2018 hervor, für den 1.443 Personen befragt wurden.

Demgegenüber sind zwischen 6 und 21 Prozent der Befragten gegen die Einführung von Sammelklagen in Deutschland. Die 6 Prozent hatten sich aufgrund der einfachen Frage nach „dafür“ oder „dagegen“ entschieden. Bei den 21 Prozent kam das Argument mit ins Spiel, dass sich aufgrund von Sammelklagen in den USA eine regelrechte Klageindustrie gebildet habe, mit der Anwälte ein gutes Geschäft machen.

Aus Sicht der Versicherer würden Sammelklagen auf jeden Fall eine Kostenreduktion bedeuten, da nicht mehr für jede Klage ein eigenes Verfahren notwendig ist. Auch die Verwaltungskosten könnten voraussichtlich reduziert werden. Wie zwei Rechtsschutzversicherer darüber denken, hat procontra erfragt.

Seite 1: Ruf nach Sammelklagen in Deutschland
Seite 2: Das sagen Arag und Roland

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