Vertrauen in Lebensversicherer schwindet

Berater von Florian Burghardt

Egal ob unbeteiligt oder schuldlos – die Themen Run-off und Niedrigzins sorgen für ein schlechtes Lebensversicherer-Image beim Kunden. Dies bietet zugleich viele Chancen zur Aufklärung durch kompetente Vermittler.

Immer mehr Kunden blicken misstrauisch auf ihren Lebensversicherer. Sie fühlen sich von ihm alleingelassen.

Immer mehr Kunden blicken misstrauisch auf ihren Lebensversicherer. Sie fühlen sich von ihm alleingelassen. Bild: evitaochel/Pixabay

Niedrige Zinsen und Bestandsverkaufspläne schaden dem Image der deutschen Lebensversicherer. So gaben 79 Prozent der Teilnehmer einer repräsentativen Umfrage an, nur noch wenig bis kein Vertrauen mehr in Lebensversicherungen und ihre Anbieter zu haben. Außerdem fühlen sich 62 Prozent der Befragten von den Versicherern und ihren Verkaufsversprechen getäuscht und schlecht beraten.

Gerade die Vorwürfe hinsichtlich allgemein niedriger Zinsen und konkret sinkender Garantiezinsen (laut der Umfrage ärgert auch dies die Befragten) dürfte die Lebensversicherer besonders ärgern. So hatte Uwe Laue, Vorstandsvorsitzender der Debeka-Versicherungsgruppe, kürzlich auf deren Jahrespressekonferenz in Richtung der EZB-Geldpolitik betont: „Es sind nicht die Versicherer, die ihren Kunden willkürlich weniger Zinsen zahlen wollen. Man muss erkennen, dass auch wir mit den Geldern der Kunden immer weniger Rendite erwirtschaften können.“

Hilflose und verunsicherte Kunden

Der Umfrage zufolge kommen solche Informationen bei vielen Kunden aber nicht an. Vor allem ältere Kunden würden sich bei Schlagzeilen um Run-offs und Bestandsverkäufe gänzlich alleingelassen und verunsichert fühlen. Aus der Politik kam bereits der Vorschlag, dass Policen nur noch mit Zustimmung der Kunden an einen externen Abwickler verkauft werden dürfen. Die Ergo hatte ihre Verkaufspläne letztendlich auch aufgrund des öffentlichen Widerstands und des drohenden Imageschadens ad acta gelegt. Anscheinend viel zu wenig Gehör finden in der Debatte die Argumente von Branchen-Insidern, dass für die Kunden auch bei einem externen Run-off keine Risiken bestehen, was die Erfüllung ihrer garantierten Leistungen betrifft.

Bei den Befragten scheint die immer wiederkehrende Panikmache eher anzukommen, beispielsweise durch die Prophezeiung eines LV-Crashs. So sind aktuell 30 Prozent der Teilnehmer dazu bereit, ihre Lebensversicherung auch mit Verlust zu verkaufen. Knapp zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) wissen zudem gegenwärtig nicht, wie sie auf die Entwicklungen rund um die Lebensversicherungen reagieren sollen und wer ihnen helfen könnte. Diese Verunsicherung könnte ein Ansatzpunkt für viele Vermittler sein, um sich mit sachlichen Argumenten als kompetenter Ansprechpartner zu präsentieren und das Vertrauensverhältnis zum Kunden zu stärken.

Die Umfrage wurde von der Facto Financial Services AG durchgeführt, einem Dienstleister unter anderem für die Rückabwicklung von Lebens- und Rentenversicherungen. An der repräsentativen Befragung nahmen 1.008 Personen teil.

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