Run-Off: „Jeder dritte Versicherer prüft, Alt-Bestände abzugeben“

LV-Check Versicherungen Top News von Jan Wagner

Das behauptet zumindest Ina Kirchhof, CEO der Run-Off-Gesellschaft Athene Lebensversicherung. Über viele Emotionen und fehlende Informationen im Run-Off-Geschäft.

Ina Kirchhof, CEO der Run-Off-Gesellschaft Athene Lebensversicherung AG_Foto: Athene

Ina Kirchhof, CEO der Run-Off-Gesellschaft Athene Lebensversicherung AG_Foto: Athene

procontra: Frau Kirchhof, anders als Viridium und die Frankfurter Leben verwaltet Athene das Versicherungsvermögen nicht selbst, sondern hat die Private-Equity-Firma Apollo damit beauftragt. Warum?

Ina Kirchhof: Gerade in Zeiten niedriger Zinsen ist ein professionelles Asset Management enorm wichtig. Wie ein Erstversicherer mit Neugeschäft werden auch wir weiterhin das Gros unseres Vermögens in Staatsanleihen anlegen. Das entspricht der Natur der Sache. Apollo hat aber die Expertise für den gesamten Anlagebereich. Insofern erweitern wir unser Anlagespektrum und haben trotzdem ein hohes Sicherheitsniveau.

procontra: Welche Asset-Klassen wären das noch?

Kirchhof: Aus Wettbewerbsgründen kann ich leider nur so viel sagen: Neben Staatsanleihen investieren wir auch in Unternehmensanleihen und andere Darlehen. Als Beleg für die professionelle Kapitalanlage von Apollo möchte ich für 2016 auf unsere laufende Durchschnittsverzinsung von 2,9 Prozent und die Nettoverzinsung von 5,1 Prozent verweisen. Ich denke, dass wir damit im Vergleich zu der Branche gut abgeschnitten haben.

procontra: Das Misstrauen gegenüber Run-Offs rührt auch aus dem Bedürfnis nach mehr Transparenz. Wie kann man das verbessern?

Kirchhof: Wir sind genauso transparent wie die Erstversicherer mit Neugeschäft. Auch wir müssen die BaFin über unsere Kapitalanlage und unsere Solvenzquoten regelmäßig informieren. Könnten wir uns in irgendeinem Investment täuschen? Selbstverständlich. Aber das gilt auch für die anderen Lebensversicherer. Und wenn wir Anleihen kaufen, die eine niedrigere Bonität als Staatsanleihen haben, dafür aber eine höhere Verzinsung, müssen wir natürlich das entsprechende Risikokapital zurücklegen.

procontra: Die Run-Off-Geschäfte werden auch deswegen kritisiert, weil die Kunden ihre vertraute Marke verlieren.

Kirchhof: Das kann ich gut verstehen. Eine Marke steht für ein gewisses Vertrauen, und wenn sie sich ändert, verunsichert das die Kunden. Die emotionale Reaktion hat aber auch damit zu tun, dass die Run-Off-Firmen eben als solche bezeichnet werden. Dabei würde der Name Spezialversicherer viel besser zu uns passen und die Emotionalität reduzieren. Kürzlich habe ich bei einer Fachtagung dafür plädiert, dass wir als Run-Off-Firmen mehr zur Aufklärung über unser Geschäftsmodell beitragen. Es gab im letzten Jahr viele unsachliche Kommentare, und diese haben meines Erachtens die Ängste der Kunden unnötig geschürt. Aber auch die BaFin und der GDV sind gefragt, über das Geschäftsmodell der Konsolidierungsplattformen aufzuklären.

procontra: Haben Sie nicht ein Problem, wenn die Emotionalität dazu führt, dass sich die Lebensversicherer von ihren Beständen nicht mehr trennen? Genau das ist bei der Ergo passiert...

Kirchhof: Von der Betrachtungsweise her möchte ich den Spieß umdrehen. Es gibt in Deutschland Lebensversicherer, die sich aus strategischen Gründen von alten Beständen trennen wollen. Die Leben-Bestände passen oft nicht mehr zum Geschäftsmodell. Im Gegensatz dazu ist die Abwicklung von Altverträgen unser Kerngeschäft. Jeder Kunde ist uns lieb und teuer. Wir betreiben ja kein Neugeschäft. Mein Eindruck ist, dass praktisch jedes dritte Versicherungsunternehmen derzeit prüft, Alt-Bestände abzugeben. 

Das komplette Interview sowie weiteres Hintergrundwissen über die Run-Off-Gesellschaften, finden Sie in der kommenden procontra-Ausgabe. Diese erscheint am 20. April 2018.

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