P&R-Insolvenz: Welche Beratungsfehler bei den Containerpleiten vorliegen könnten

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Jan-Henning Ahrens, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, erklärt, was die P&R-Pleite für Vermittler bedeutet und mit welchen Beratungsfehlern er sich jetzt auseinandersetzt.

Jan-Henning Ahrens, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht

Jan-Henning Ahrens, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht der Kanzlei KWAG Rechtsanwälte_Foto: KWAG

procontra: Die Investmentgesellschaft P&R hat vor wenigen Tagen Insolvenz angemeldet, Marktbeobachter sprechen von einem der größten Anlegerskandale Deutschlands. Rund 50.000 Kunden, die per Direktanlage in Schiffscontainer investiert hatten, bangen um ihr Geld. Wie schlimm ist es wirklich?

Jan-Henning Ahrens: Jetzt heißt es erst einmal Ruhe bewahren. Die Insolvenz ist gerade erst bekannt geworden, man kann noch keine verlässlichen Aussagen darüber treffe, was im Rahmen des Insolvenzverfahrens für Anleger zu holen ist. Grundsätzlich wird die Höhe des Verlustes davon abhängen, ob die Forderungen der Containereigentümer, also der Investoren, noch in irgendeiner Form quotal befriedigt werden können. Anleger könnten allerdings Ansprüche gegen den Vertrieb haben. Nach unseren ersten Recherchen haben sowohl Banken als auch freie Vermittler die Containerinvestments vertrieben. Man wird prüfen müssen, ob sie ihre Kunden korrekt beraten und über die Risiken aufgeklärt haben.

procontra: Vermittler könnten sich also bald vor Gericht wiederfinden?

Ahrens: Wenn sie Beratungspflichten verletzt haben, möglicherweise ja. Ob sich außergerichtlich etwas aushandeln lässt, kann ich noch nicht sagen. Am ehesten wäre das wohl bei Bankberatern der Fall.

procontra: Welche Beratungsfehler könnte es denn konkret gegeben haben?

Ahrens: Vermittler könnten zu hohe Zahlen hinsichtlich der in Zukunft benötigten Container genannt haben. Schon die gern getroffene Aussage, man bräuchte 40.000 Container, um ein Schiff mit einer Kapazität von 20.000 Standardcontainern zu bestücken, ist falsch. Je größer die Containerschiffe werden, desto weniger Container werden gebraucht, weil die durchschnittliche Verweildauer eines Containers pro Reise auf einem großen Schiff kürzer ist als auf einem kleinen.

Zudem ist der sogenannte Containerisierungsgrad mittlerweile sehr hoch, der Wandel vom Stückgut- zum Containertransport weitestgehend abgeschlossen. Was im Container befördert werden kann, wird im Container befördert. Die Wachstumsprognosen vieler Berater für diesen Markt waren möglicherweise zu hoch gegriffen. Wir stehen allerdings noch ganz am Anfang des Falles P&R. Was in den Beratungsgesprächen im Einzelnen zu beanstanden sein könnte, schauen wir uns jetzt an.

procontra: Drohen weitere Container-Pleiten?

Ahrens: Man wird die Branche jetzt sicher etwas genauer betrachten. Es könnte sein, dass andere Anbieter ähnliche Probleme haben wie P&R. Das ist aber bislang reine Spekulation.

procontra: Container-Direktinvestments galten lange Zeit, ähnlich wie Schiffsfonds, als relativ sicher. Was ist schiefgelaufen?

Ahrens: Die Krise der Containerschifffahrt ist maßgeblich darauf zurückzuführen, dass Reeder und Emissionshäuser in der Boom-Zeit von 2003 bis 2005 viel zu viele Schiffe bestellt haben. Das beliebte Argument, die Weltwirtschaftskrise sei am Niedergang der Schiffsfonds schuld gewesen, stimmt nicht. Im Jahr 2009 war zwar in der Containerschifffahrt eine Wachstumsdelle zu beobachten. Schon ein Jahr später befand sich die Branche aber auf dem alten Niveau. Mittlerweile räumen Reeder sogar selbst ein, dass sie es in den Hochzeiten mit Bestellungen übertrieben haben.


Jan-Henning Ahrens ist Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht bei der Bremer Kanzlei KWAG Rechtsanwälte.

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