PKV: So könnten Beitragssprünge vermieden werden

Versicherungen Top News von Michael Fiedler

Starke Beitragsanpassungen (BAP) in der Privaten Krankenversicherung (PKV) treten häufiger auf als früher, stellt die Deutsche Aktuar Vereinigung (DAV) fest und hat Vorschläge entwickelt, wie Beitragssprünge vermieden werden können. Welches Verfahren die Aktuare bevorzugen und warum.

PKV Beitragssprung BAP Krankenversicherung

Heftige Sprünge werfen schon mal aus dem Sattel: Das gilt beim Rodeo, aber auch in der PKV (im übertragenen Sinn). Wie sich das zumindest in der PKV verhindern lässt, hat die Aktuarvereinigung vorgestellt. pixabay/ debora171

Gerade zu Jahresbeginn häufen sich die Meldungen über Beitragsanpassungen (BAP) in der Privaten Krankenversicherung (PKV) und sorgen regelmäßig für verärgerte Kunden. Auch in der Debatte um die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems werden BAP als Argument ins Feld geführt, um die Zukunftsfestigkeit der PKV anzuzweifeln.

Die Versicherer hingegen argumentieren, dass die Beitragssprünge vor allem Ergebnis gesetzlicher Vorschriften zur Beitragsanpassung seien. So sind Versicherer verpflichtet, jährlich die einkalkulierten Versicherungsleistungen und Sterbewahrscheinlichkeiten mit den realen Entwicklungen zu vergleichen. Die Beiträge müssen angepasst werden, wenn

  • der Grad der Veränderung bei der Sterblichkeit fünf Prozent beträgt ("Auslösender Faktor Sterblichkeit")
  • der Veränderungsumfang bei Versicherungsleistungen bzw. den Schaden zehn Prozent beträgt bzw. überschreitet ("Auslösender Faktor Schaden")

Wird der Schwellenwert einer dieser Auslösenden Faktoren überschritten, müssen alle Rechnungsgrundlagen geprüft werden. Auch der Rechnungszins, der dann nach einem Verfahren angepasst wird, das sich an der aktuellen Lage am Kapitalmarkt orientiert. Dieses Vorgehen kritisieren die Aktuare: So habe der Rechnungszins zwar einen großen Einfluss auf die Beitragshöhe, spiele aber bei der Entscheidung, ob eine Anpassung erfolgen muss, keine Rolle.

Kumulierende Wirkung ignoriert

Dabei würde aber die kumulierende Wirkung der Rechnungsgrundlagen ignoriert, so die DAV. "Liegen beide Auslösende Faktoren innerhalb der Schwellenwerte, hat das Unternehmen keine Anpassungsmöglichkeiten. Zeigen die beiden Faktoren beispielsweise Erhöhungen von 9,9 Prozent und 4,9 Prozent an, ergäbe sich eine multiplikative Gesamterhöhung von 15,3 Prozent. Weiterer Veränderungsbedarf z. B. für den Zins kann dies noch verstärken. Überschreiten die Auslösenden Faktoren die Schwellenwerte zu einem späteren Zeitpunkt, kann die kumulierte Auswirkung auf die Beiträge der Versicherten zu diesem Zeitpunkt relativ hoch sein. Besonders betroffen sind Produkte mit hohem Sparanteil, wie die Pflegeversicherung", fasst die Aktuarvereinigung das Problem zusammen.

Um statt unregelmäßiger Beitragssprünge eine kontinuierliche Beitragsentwicklung in der PKV zu haben, entwickelten die Aktuare zwei unterschiedliche Ansätze:

Ansatz 1: Nettoprämien

Der erste Ansatz sieht vor, Nettoprämien zu berechnen, bei denen die relevanten Rechnungsgrundlagen nach einem objektiven Verfahren aktualisiert werden. Weicht die Nettoprämie nach der Aktualisierung der relevanten Rechnungsgrundlagen zu stark von der aktuell gültigen Nettoprämie ab, würde eine Überprüfung der Beiträge ausgelöst.

 

Ansatz 2: Rechnungsgrundlagen erweitern

Beim zweiten Ansatz soll das bestehende Verfahren um weitere Rechengrundlagen erweitert werden. Würde im bekannten Berechnungsverfahren nicht nur die neueste Sterbetafel, sondern auch ein aktueller Rechnungszins mit der Kalkulation verglichen, würde das zu einer deutlich stetigeren Beitragsentwicklung führen, so die DAV. Multipliziert man dann den um den Zins erweiterten Auslösenden Faktor Sterblichkeit mit dem Auslösenden Faktor Schaden, wird ein Zusammenfallen mehrerer Veränderungen besser erkannt, ohne dass zusätzliche Berechnungen und Daten erforderlich sind.

Die Aktuarvereinigung kommt zu dem Schluss, dass die Verwendung von Nettoprämien die Unternehmen und Treuhänder jedoch mit erheblichem Mehraufwand konfrontieren würde. Das könnte sich zu Lasten der Versicherten in den Verwaltungskosten niederschlagen. Die Aktuare bevorzugen deshalb die Erweiterung des bestehenden Auslösenden Faktors Sterblichkeit um die Rechnungsgrundlage Zins.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare