Fondspolicen verschenken Potenzial

Versicherungen von Michael Fiedler

Fondspolicen können Sicherheit und Performance verbinden - dabei kommt es auf die richtige Auswahl der Fonds an. Doch die bleiben nach Abschluss der Fondspolice meist unangetastet. Damit verschenkt die Branche Potenzial, zeigt eine neue Studie.

Fondspolicen Management bewertet

Untersuchte den Markt fondsgebundener Lebensversicherungen in Deutschland nicht zum ersten Mal: Dr. Tobias Schmidt. Bild: f-flex AG

Fondsgebunde Lebensversicherungen waren 2016 in der Lebensversicherung - betrachtet man nur die Steigerungsraten - "Verkaufsschlager". Damals legten fondsgebundene Kapitalversicherungen im Einmalgeschäft um 26,2 Prozent zu. Das Beitragsvolumen stieg auf 187 Millionen Euro. Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen wuchs die Zahl der neu eingezahlten Einmalbeiträge um drei Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Auch für 2017 meldete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ähnlich positive Zahlen für fondsgebundene Kapital- und Rentenversicherungen.

Fondspolicen verbinden Sicherheit und Performance

Fondsgebunde Produkte könnten also mehr als nur ein Hoffnungsschimmer für die angeschlagene LV-Branche sein. So sieht es auch Dr. Tobias Schmidt, Vorstandschef der Frankfurt-Fondsexperten AG (f-fex AG): "Fondsgebundene Renten- und Kapitallebensversicherungen bieten im aktuellen Zinsumfeld für die Versicherten große Vorteile, weil diese Policen das Bedürfnis nach Sicherheit und Performance verbinden können." Doch es bleibt beim Konjunktiv - denn das Potenzial würden die Versicherer nicht ausschöpfen, so Schmidt. Viele Policen würden unter ineffizientem bzw. kaum vorhandenem Management des Anlagestocks leiden. Auch blieben Rating und Performance der angebotenen Zielfonds weit hinter dem Möglichen zurück, so die Kernergebnisse einer Untersuchung der erst 2017 gegründeten f-fex AG.

Doch es ist nicht die erste Studie von Tobias Schmidt. 2015 war Schmidt Vorstandssprecher der Feri EuroRating Services AG und berichtete damals von ähnlichen Ergebnissen: "Versicherer setzen in der Selektion weiterhin auf bekannte Produkte von großen Gesellschaften. Diese haben aber oft nur durchschnittliche oder schwache Ratings", so Schmidt seinerzeit. Tatsächlich hat sich in der Branche am Grundproblem wenig geändert: "Beim Vertragsabschluss werden ein oder mehrer Fonds ausgewählt und diese werden dan über Vertragslaufzeit regelmäßig bespart - ein Fondswechsel ist nach wie vor eher Ausnahme", so Schmidt gegenüber procontra. Die aktuelle Studie sei aber tiefergehend, als jene von Feri. 2015 standen die Ratings im Vordergrund. Für die jetztige Studie wurden die Geschäftsberichte von 74 Lebensversicherern (62 Konzerngesellschaften) des Jahres 2016 ausgewertet. Kernergebnisse:

  • Mehr als zwei Drittel des Fondspolicen-Anlagestocks der deutschen Versicherer ist in Fonds mit durchschnittlichem oder gar schwachem Rating investiert.
  • Knapp 75 Prozent des Anlagestocks war in durchschnittlich oder unterdurchschnittlich performenden Fonds allokiert.
  • Kostengünstige ETFs sind im Bestand bisher kaum vertreten.

"Die meist offensiv ausgerichteten Portfolios der Versicherten bleiben trotz der zuletzt positiven Aktienmarktentwicklung weit hinter dem Markdurchschnitt und den Erwartungen der Anleger zurück", so das Fazit von Tobias Schmidt. Die Auswertungen zeigen auch, dass die Spannbreite der Versicherer bezüglich Qualität und Performance sehr groß ist. So variierte die Wertentwicklung des jeweiligen Anlagestocks (Stichtag 31.12.2016) im Folgejahr 2017 bei den großen bis mittelgroßen Versicherern zwischen 1,7 Prozent und 9,4 Prozent. Der Anteil des Anlagestocks, der in sogenannte Top-Fonds (4 und 5 Sterne) investiert ist, liegt zwischen 0 Prozent und 88 Prozent, heißt es in der Studie.

"Wertanlagen der Fondspolicen müssen mehr leisten"

Die Klassische Lebensversicherung sei kaum noch interessant. Wenn Fondspolicen künftig das `Zugpferd` der Lebensversicherung sein sollen, müssen die Wertanlagen mehr leisten, so Schmidt gegenüber procontra. Laufzeitgerechte Portfolioallokation sowie die kontinuierliche Qualitätsprüfung der eingesetzten Fonds würden ebenso dazugehören, wie der laufende Abgleich von Portfoliorisiko und Risikotragfähigkeit des Kunden.
Die Haltung: `Einmal abgeschlossen, nie wieder angefasst` ist also spätestens seit Wirksamkeit der IDD passé. Denn die IDD schreibt Angemessenheits- und Geeignetheitsprüfung auch bei Fondspolicen vor. Für Versicherte wird das Vorteile bringen. Doch auch für Vermittler, die in Nachberatungspflichten weniger einen Zwang sehen, als die Chance, mit Kunden ins Gespräch zu kommen und sich so als Experte zu etablieren.

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