Die PKV ist besser als ihr (aktueller) Ruf

Berater Top News profino von Hagen Engelhard

Ob ruckartig oder konstant – wegen ihrer Beitragsanpassungen befindet sich die private Krankenversicherung häufig in der Kritik. Warum diese aktuell unangebracht ist, erklärt PKV-Experte Hagen Engelhard in einem Kommentar.

Sieht die Beitragsanpassungen der GKV deutlich kritischer als die der PKV: Hagen Engelhard.

Sieht die Beitragsanpassungen der GKV deutlich kritischer als die der PKV: Hagen Engelhard. Bild: MEDI-KOST

Die Bundestagsfraktion der „Linken“ hat kürzlich die Veröffentlichung von Unternehmensdaten der privaten Krankenversicherer durch die Bundesregierung erwirkt. Unter dem Vorwand der Datentransparenz zum Wohle potenzieller privat Krankenvollversicherter sollten die veröffentlichten Zahlen aber einzig und allein eines betonen: Den Vorwurf, die PKV-Beiträge würden seit Jahren immens steigen. Als Fazit sollte gezogen werden, dass die private Krankenversicherung ein marodes System und der Wandel hin zur Bürgerversicherung dringend notwendig sei. Tatsächlich aber ging dieser Versuch der „Linken“ nach hinten los.

Denn die Zahlen der Bundesregierung für die 36 privaten Krankenvollversicherer belegen im Untersuchungszeitraum von 2010 bis 2016 lediglich einen durchschnittlichen jährlichen Beitragsanstieg um 1,4 Prozent. Das ist erstens für sich genommen schon nicht viel und zweitens ein deutlich geringerer Anstieg als im selben Zeitraum in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

GKV zog stärker an

In der GKV sind die Beiträge nämlich von 2010 bis 2016 um 3,2 Prozent pro Jahr gestiegen – bezogen auf den Höchstbeitrag inklusive Zusatzbeitrag. Die Beitragsanpassungen (BAP) erfolgten somit durch die jährlichen Anpassungen der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der GKV. Wer dauerhaft über der BBG verdient hat, dessen monatlicher GKV-Beitrag ist von 2010 bis 2016 jedes Jahr um 19 Euro gestiegen.

Mit Blick auf die veröffentlichten Zahlen haben somit nur drei der 36 PKV-Anbieter (ohne die beiden Spezialanbieter FAMK und KUK sowie die Vigo mit einem sehr kleinen, geschlossenen Bestand) ihre Beiträge stärker erhöht als die GKV. Unter Berücksichtigung dieser Tatsachen muss man also ganz klar sagen, dass der Vorstoß der „Linken“ nach hinten losgegangen ist und das System PKV sogar eher in ein positives Licht gerückt hat.

Zudem war der Zeitraum für die Anfrage schlecht ausgewählt. Eigentlich wären die BAP in den ausgewählten Jahren höher ausgefallen. Allerdings sind in diesem Zeitraum aufgrund der guten Konjunktur viele neue Jobs entstanden. Das hat dazu geführt, dass einige privat Vollversicherte in Anstellungen und damit in die GKV gewechselt sind. Sie haben zu einem nicht unerheblichen Teil ihre Alterungsrückstellungen bei ihren alten PKV-Anbietern gelassen, wodurch diese Stornogewinne erzielen und damit die BAP reduzieren konnten. Wenn dieser Effekt abflaut, rechne ich langfristig mit PKV-BAP auf GKV-Niveau.

Seite 1: GKV erhöhte stärker als PKV
Seite 2: Bloß keine Bürgerversicherung

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare