Deutschland droht ein Altersvorsorge-Teufelskreis

Versicherungen Top News von Florian Burghardt

Schon bald könnten den deutschen Lebensversicherern jährliche Beitragseinnahmen von über 10 Milliarden Euro fehlen. Die Flucht ins Sach-Geschäft klingt logisch, würde das Altersvorsorge-Problem aber noch befeuern. Analysten sagen, was wirklich hilft.

Die Flucht der Versicherer in das Sach-Geschäft könnte in einen echten Teufelskreis für die Altersvorsorge führen.

Die Flucht der Versicherer in das Sach-Geschäft könnte in einen echten Teufelskreis für die Altersvorsorge führen. Bild: geralt/Pixabay

Bis zum Jahr 2030 dürften die jährlichen Prämieneinnahmen der Lebensversicherer in Deutschland um rund 6 Milliarden Euro sinken. Bis zum Jahr 2060 könnte sogar mehr als das Dreifache fehlen. Zu dieser Prognose kommt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in ihrer aktuellen Studie „Zukunft der Lebensversicherung“.

In den für die Lebensversicherer besonders relevanten Altersgruppen zwischen 25 und 54 Jahren ist bis zum Jahr 2060 ein Rückgang um 10,7 Millionen Menschen zu erwarten, heißt es in der Studie. Unter diesem Umstand geht man bei KPMG bis 2060 von einem Prämienwegfall von 15 Milliarden Euro aus – ein Minus von 31 Prozent. Sollte bis dahin das Geschäft mit Biometrie-Policen nicht wie erwartet wachsen, könnten der Branche sogar 19 Milliarden Euro fehlen.

Der Prämienrückgang in der deutschen Lebensversicherung macht sich bereits seit ein paar Jahren bemerkbar. Und das nicht nur insgesamt, sondern auch pro Kopf. Im europaweiten Vergleich gab der Deutsche im Jahr 2016 mit rund 1.100 Euro weniger für Lebensversicherungen aus als der Durchschnitt (1.159 Euro) und die Tendenz zeigt weiter nach unten. Diese Daten gehen aus einer aktuellen Veröffentlichung des europäischen Versichererverbands Insurance Europe hervor.

Axa will weg von Leben und Sparen

Die Mischung aus sinkenden Beitragseinnahmen, der anhaltenden Niedrigzinsphase - die EZB gab heute bekannt, dass der Leitzins weiter bei null Prozent bleibt - und der damit verbundenen ZZR-Geißelung macht das Leben-Geschäft für die Versicherer zunehmend unattraktiv. Neben der Flucht in kapitalmarktnähere Produkte wird auch häufig eine Fokussierung des Sach-Geschäfts betont.

In diese Richtung bewegt sich aktuell beispielsweise die Axa. Mit der Übernahme der XL Group wird sie zum Marktführer im Sachversicherungsgeschäft bei Firmenkunden. Dem Versicherungsmonitor sagte Axa-CEO Thomas Buberl: „Wir gehen weg aus dem Segment Lebensversicherung und Sparen und damit weg von Kapitalmarktrisiken, hin zu Versicherungsrisiken.“

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