Wirtschaftsaufschwung frisst Sparguthaben

Berater von Florian Burghardt

Deutschland, das Land der Dichter und Denker - und der Sparer? Mitnichten, denn im internationalen Vergleich leben hierzulande die zweitmeisten Menschen ohne jegliche Rücklagen. Dabei gibt es auch große regionale Unterschiede.

Wirtschaftlicher Aufschwung ist toll. Doch anscheinend bleibt bei vielen Menschen nach dem ganzen Konsum nichts mehr für Rücklagen übrig.

Wirtschaftlicher Aufschwung ist toll. Doch anscheinend bleibt bei vielen Menschen nach dem ganzen Konsum nichts mehr für Rücklagen übrig. Bild: quicksandala/Pixabay

Deutschland, Land der Sparer. Dieser Titel ist nur teilweise zutreffend, wenn es nach der aktuellen ING International Survey (IIS) geht, einer Studie der ING-DiBa. Demnach verfügen 27 Prozent der Deutschen über gar keine Ersparnisse. Im internationalen Vergleich – befragt wurden je rund 1.000 Menschen aus 14 Nationen – bedeutet das hinter Rumänien die zweithöchste Quote von Nicht-Sparern.

„Es sollte zu denken geben, dass Deutschland trotz starkem Wirtschaftsaufschwung einen der höchsten Anteile von Verbrauchern ohne jegliche Rücklagen aufweist“, so das Fazit von Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-DiBa und verantwortlich für die mehrmals jährlich durchgeführte IIS. Allerdings könnte dieser Aufschwung durch den Verzicht auf Geldanlagen mit aktuell historisch niedrigen Guthabenzinsen und stattdessen erhöhtem Konsum, unterstützt durch ebenso historisch günstige Kredite, überhaupt erst zustande gekommen sein. Wie eine ältere Studie der ING-DiBa zeigt, sparen nicht wenige Menschen trotz parallel zu tilgender Kredite. Andere wiederum verzichten auf das Sparen, weil sie sich von den meisten Anlageformen schlichtweg überfordert fühlen.

Dennoch gab die Mehrheit der Befragten ohne jegliche Rücklagen an, in Bezug auf ihre Spar-Situation unzufrieden zu sein. Der Verzicht auf jegliche Ersparnisse ist bei ihnen also anscheinend nicht freiwillig gewählt.

Steiles Gefälle

In Deutschland ist zudem eine deutliche Spar-Schere erkennbar. Gegenüber den vielen Menschen ohne Rücklagen finden sich hierzulande auch viele Menschen mit – im internationalen Vergleich – hohen Ersparnissen. Wenn es danach geht, wo pro Kopf die meisten Monatsnettogehälter auf der hohen Kante liegen, ist Deutschland im Bereich von 4 und mehr Gehältern auf dem Spitzenplatz. Bei der Häufigkeit von Rücklagen über 5.000 Euro liegt Deutschland auf Rang drei.

Auch zwischen den deutschen Bundesländern gibt es deutliche Unterschiede.  Während in Hamburg und im Saarland jeweils 87 Prozent der Menschen etwas zurückgelegt haben, sind es in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Bremen jeweils weniger als zwei Drittel. In Thüringen verfügen sogar nur 56 Prozent der Menschen über Ersparnisse.

Die vollständige IIS mit den Ergebnissen aller untersuchten Nationen kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden. 

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