Was Sie schon immer über die SCHUFA wissen wollten

Unternehmen Themenseite Ratenkreditmarkt von JULIANE MOGHIMI

Ob Mietvertrag, Handyvertrag oder Ratenkredit: An der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung führt in Deutschland kein Weg vorbei, wenn es um Vertrauenswürdigkeit in Geldangelegenheiten geht. Aber welche Daten werden eigentlich erfasst? Und wie viel Einfluss nimmt die SCHUFA? Ein Interview mit Ingo A. Koch, Leiter Media Relations und Kommunikation.

Ingo A. Koch Bonität Schulden Kredit

Im Interview klärt im Interview über die Möglichkeiten und Arbeitsweise der Schufa auf. Bild: Schufa

procontra: Herr Koch, welche Rolle spielt die SCHUFA, insbesondere aus Verbrauchersicht?

Ingo A. Koch: Die SCHUFA ermöglicht schnelle, komfortable und sichere Geschäftsabschlüsse für Verbraucher und Unternehmen. Als moderner Informationsdienstleister stellen wir innerhalb von Sekundenbruchteilen Informationen zu Bonität und Identität von Verbrauchern bereit. Dadurch können Verbraucher beispielsweise im Online-Shop bequem auf Rechnung bestellen oder ohne große Umstände eine Ratenfinanzierung im Geschäft für den neuen Fernseher oder Möbel abschließen. Ohne die SCHUFA könnten die Händler oft nicht so schnell agieren, denn Verbraucher müssten ihre Bonität umständlich anhand von Gehaltsnachweisen oder Ähnlichem selbst nachweisen. Geschäftsabschlüsse würden erheblich länger dauern und wären - Stichwort "Identitätsbetrug" - auch weniger sicher.

procontra: Inwieweit hat die SCHUFA Einfluss auf die Entscheidung über eine Kreditvergabe oder einen Vertragsabschluss?

Koch: In Deutschland herrscht Vertragsfreiheit. Jedes Unternehmen entscheidet selbst und frei, mit wem und zu welchen Konditionen es einen Vertrag abschließen möchte. Die SCHUFA unterstützt diese Entscheidungen durch qualifizierte Informationen, trifft die Entscheidungen aber nicht. Über die SCHUFA-Informationen hinaus fließen bei den jeweiligen Unternehmen häufig noch zahlreiche andere Informationen in eine Entscheidung über ein Kreditgeschäft ein, die der SCHUFA gar nicht vorliegen: zum Beispiel Einkommen, Arbeitsverhältnis oder Vermögen.

Wie der Score-Wert berechnet wird

procontra: Wie häufig wird der Score-Wert des einzelnen Verbrauchers aktualisiert?

Koch: Die Branchenscores werden im Moment der Anfrage eines Unternehmens aktuell berechnet. Zur Orientierung für Verbraucher gibt es den sogenannten Basisscore. Er wird alle drei Monate neu berechnet, aber nicht an Unternehmen übermittelt. Verbraucher, die eines unserer meineSCHUFA-Pakete abgeschlossen haben, können ihren Basisscore und die über sie gespeicherten Informationen jederzeit online einsehen. Gemäß § 34 Bundesdatenschutzgesetz können Verbraucher auch eine Datenübersicht als persönliche stichtagsbezogene Kontrollinformation anfordern.

procontra: Wird der Score von Tatsachen wie häufigen Wohnortwechseln oder vielen Krediten negativ beeinflusst?

Koch: Einzelne Informationen für sich betrachtet beeinflussen den Score nicht oder nur sehr begrenzt. Statistisch relevant sind Abhängigkeiten einzelner Daten untereinander. Ich vergleiche das gerne mit der KFZ-Versicherung. Die Prämie hängt ja auch nicht nur vom Fahrzeugtyp ab, sondern von mehreren Kriterien. Score-Werte können daher kaum an einzelnen Merkmalen festgemacht werden. Eine Ausnahme sind natürlich negative Informationen, wie etwa eine Zahlungsstörung oder gar eine private Insolvenz.

procontra: Kann es sein, dass der Score eines Verbrauchers schlecht ausfällt, obwohl er seinen finanziellen Verpflichtungen immer nachgekommen ist?

Koch: Wenn jemand seinen Zahlungsverpflichtungen zuverlässig nachkommt und sich vertragsgemäß verhält, muss er sich gewöhnlich keine Sorgen um seine Bonität machen. Leider gibt es aber Fälle, in denen Verbraucher zum Opfer von Identitätsbetrug geworden sind. Hierbei nutzen Betrüger die Identität des "richtigen" Verbrauchers und bestellen Ware in dessen Namen, bezahlen aber nicht. Der ehrliche Verbraucher erfährt davon zunächst nichts. Mahnungen oder Inkassoverfahren und damit verbundene negative Einträge bei der SCHUFA machen den Betrug dann auffällig - und schützen gleichzeitig zunächst vor weiterem Identitätsmissbrauch. Wenn sich die Situation aufgeklärt hat, werden die Daten natürlich rückstandsfrei bereinigt. Wir empfehlen Personen, die Opfer von Identitätsbetrug geworden sind, sich bei uns zu melden. Wir halten zu fraglichen Einträgen Rücksprache bei den Vertragspartnern und können bei der Aufklärung helfen. Ganz wichtig: Opfer von Identitätsbetrug, die den Betrug bei der Polizei zur Anzeige gebracht haben, können sich bei der SCHUFA mit einem entsprechenden Vermerk auch kostenlos vor Wiederholungsbetrug schützen lassen.

So schützen Sie Ihre Identität

procontra: Können Verbraucher sonst noch etwas zum Schutz ihrer Identität tun?

Koch: Wer möchte, kann die SCHUFA aktiv für sich und einen besseren Schutz seiner Identität nutzen. So bieten wir mit unseren meineSCHUFA-Paketen Möglichkeiten, uns nach gestohlenen persönlichen Daten im Internet, auch im Darknet, suchen zu lassen. Finden wir z.B. die Kontonummer in Kombination mit dem Namen, melden wir uns und helfen dem Verbraucher, die unzulässig veröffentlichten Daten zu löschen. Mit unserem SCHUFA-UpdateService können sich Verbraucher quasi live per SMS oder Mail informieren lassen, wenn ein Unternehmen zu ihrer Person eine Anfrage stellt. Auch das hilft, zu erkennen, ob vielleicht jemand anders gerade in meinem Namen betrügerisch einkaufen will. So kann schnell gehandelt werden.

procontra: Was können Verbraucher tun, wenn sie denken, dass ihre bei der SCHUFA gespeicherten Daten nicht korrekt oder aktuell sind?

Koch: Vorab zur Einordnung: Wir verarbeiten am Tag um die 400.000 Anfragen und Meldungen. Das sind 140 Millionen im Jahr. Die Anzahl an Fehlern ist demgegenüber extrem gering. Der unabhängige Ombudsmann der SCHUFA, Prof. Dr. Papier, Präsident des Bundesverfassungsgerichts a.D., spricht in seinem Bericht von 30 Fehlern, bei denen er dem Verbraucherbegehren auf Korrektur gefolgt ist. Hinweisen oder Fragen von Verbrauchern zu gespeicherten Daten gehen wir umgehend nach, denn die Schufa hat genau wie Verbraucher und Unternehmen, die unsere Kunden sind, ein Interesse an aktuellen und korrekten Daten. Eine Prüfung ist für Verbraucher selbstverständlich kostenlos. Verbraucher, die Fragen zu ihren Daten haben, können sich unbürokratisch an unseren Verbraucherservice wenden. Die Kolleginnen und Kollegen dort beantworten kompetent und gerne die Fragen.

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