Wann Hausbesitzer für Schäden beim Nachbarn haften

Berater Recht & Haftung von Martin Thaler

Ein Dachdecker hatte bei Arbeiten einen Brand verursacht, der auch auf das Nachbargebäude übersprang. Nun stellte sich die Frage, ob der Hausbesitzer auch für diese Schäden haftbar gemacht werden konnte. Der BGH musste entscheiden.

Muss der Hausbesitzer zahlen, wenn ein Brand an seinem Haus auch das Nachbargebäude beschädigt?

Muss der Hausbesitzer zahlen, wenn ein Brand an seinem Haus auch das Nachbargebäude beschädigt? Foto: eu1 - Pixabay.de

Wenn durch Bauarbeiten am eigenen Haus Schäden an einem Nachbargebäude entstehen, ist man gegenüber dem Nachbarn für den entstandenen Schaden verantwortlich. Dies entschied nun der Bundesgerichtshof (Az: V ZR 311/16).  

Was war passiert?  

Ein Ehepaar ließ im Jahr 2011 an ihrem Haus in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt)  das Flachdach reparieren. Im Laufe der Arbeiten verursachte der beauftragte Dachdecker bei mit einem Brenner durchgeführten Heißklebearbeiten ein Glutnest. Am Abend bemerkten die Hausbesitzer schließlich Flammen im besagten Bereich – doch zu spät. Die anrückende Feuerwehr konnte das Haus nicht mehr retten, es brannte vollständig nieder. Auch das direkt an das brennende Haus angrenzende Nachbarshaus wurde durch den Brand und die Löscharbeiten schwer beschädigt.  

Die Versicherung der Nachbarin wollte den entstandenen Schaden (knapp 100.000 Euro) nun von den Hausbesitzern, bzw. deren Erben, ersetzt haben – beim Dachdecker, über den in der Zwischenzeit ein Verbraucherinsolvenzverfahren eröffnet worden, gab es nichts zu holen.  

Sowohl Landgericht als auch Oberlandesgericht lehnten die Klage der Nachbarin ab. Es bestünden keine Anhaltspunkte, dass die Hausbesitzer den Dachdecker nicht sorgfältig ausgewählt und somit alles Erforderliche getan hätten, um das Risiko eines Brandschadens auszuschließen. Der Fall landete schließlich vor dem Bundesgerichtshof.  

Das Urteil  

Im Gegensatz zu den Vorinstanzen erkannten die Karlsruher Richter sehr wohl, dass ein nachbarschaftsrechtlicher Ausgleichsanspruch laut § 906 Abs. 2 Satz BGB i:v.m. § 86 Abs. 1 Satz VVG bestehe.  

Ein solcher sei gegeben, wenn die entsprechende Beeinträchtigung wenigstens mittelbar auf den Willen des Eigentümers/ Besitzers zurückgeht. Dies war hier der Fall, da die Hausbesitzer den Dachdecker beauftragt hatten. Hierbei sei es unerheblich, ob der Hausbesitzer bei der Auswahl des Handwerkers seine Sorgfaltspflichten verletzt habe.  

Auch wenn beispielsweise ein technischer Defekt einen Brand auslöse, sei der Hausbesitzer verantwortlich. Nicht aber bei einem durch einen Blitzschlag entstehenden Brand. Dieser sei als allgemeines Risiko zu werten, das sich ebenso beim Hause des Nachbarn hätte verwirklichen können. 

Die Hausbesitzer bzw. deren Erben sind also im vorliegenden Fall verantwortlich für den Schaden am Nachbargebäude. Wie viel diese nun zu zahlen haben, muss nun das OLG Naumburg entscheiden, an das der Fall zurücküberwiesen wurde.

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