Versicherungsbeschäftigte haben den längsten Arbeitsweg

Berater von Martin Thaler

Keiner braucht im Durchschnitt länger zur Arbeit als Beschäftige im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. Dies geht aus einer Anfrage an die Bundesregierung hervor, die auch Angaben zum Thema Wegeunfälle macht.

Ob mit Auto, öffentlichem Nahverkehr, Fahrrad oder Zug: Beschäftigte in der Finanz- und Versicherungsbranche hatten 2016 den längsten Arbeitsweg. Foto: Counselling - Pixabay.de

Beschäftigte in der Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbranche haben durchschnittlich den längsten Arbeitsweg in Deutschland: In der Regel verbringen sie pro Tag 59 Minuten in Bahn, Auto oder auf dem Rad, um zur Arbeit und von dieser wieder nach Hause zu gelangen. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Partei „Die Linke“ hervor (BT-Drucksache: 19/574). Gut ein Drittel der hier Beschäftigten (31 Prozent) gab an, am Tag sogar länger als 60 Minuten zur Arbeit hin und wieder zurück zu benötigen.  

Demnach brauchen Beschäftigte aus dem Bereich Versicherungen und Finanzen durchschnittlich 15 Minuten länger zur Arbeit als der durchschnittliche Arbeitnehmer in Deutschland – dieser benötigt nämlich nur 44 Minuten. Weite Arbeitswege nehmen auch Beschäftigte aus den Branchen „Information und Kommunikation“ (54 Minuten) sowie „Energieversorgung“ und „Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen“ (jeweils 51 Minuten) in Kauf.  

Relativ kurz gestalten sich die Arbeitswege hingegen für Beschäftigte im Bereich der Land- und Forstwirtschaft (32 Minuten) sowie im Gastgewerbe (35 Minuten). Grundlage für die Daten ist der „Arbeitszeitreport Deutschland 2016“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.  

Interessant sind diese Daten auch im Zusammenhang mit der Zahl der Wegeunfälle – je länger der Arbeitsweg, desto höher ist auch die statistische Wahrscheinlichkeit, einen Arbeitsunfall zu erleiden. Insgesamt 188.395 meldepflichtige Wegeunfälle wurden 2016 verzeichnet – das waren rund 7.000 mehr als noch 2015 (181.318). Meldepflichtig sind Wegeunfälle dann, wenn die Arbeitsunfähigkeit des Unfalls mehr als Werktage dauert oder die Person bei dem Unfall getötet wird. Tödlich verliefen 2016 insgesamt 316 Wegeunfälle – das 37 weniger als im Vorjahr.  

Unfallrente bei 4.778 Wegeunfällen

In insgesamt 4.778 Fällen wurde im Jahr 2016 den Unfallopfern eine Unfallrente ausgezahlt – für das Jahr 2017 liegen noch keine Daten vor. Die Zahl der bewilligten Unfallrenten ist dabei weiter rückläufig – waren es 2015 noch 4.888 bewilligte Unfallrenten betrug deren Zahl im Jahr 2010 noch bei 6.144.  

 

JahrZahl der Wegeunfallrenten
20076.283
20085.768
20096.035
20106.144
20116.034
20125.534
20135.217
20145.057
20154.888
20164.778

Wann der Arbeitsweg beginnt und wann er endet ist immer wieder umstritten und damit Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen. Erst letztens entschied das Kasseler Bundessozialgericht (AZ: B 2 U 3/16 R), dass kein gesetzlicher Unfallschutz vorliege, wenn man – bevor man ins Auto steigt – die Straßenverhältnisse prüft und dabei ausrutscht.  

Auch wer vom direkten Arbeitsweg abweicht, verliert seinen gesetzlichen Unfallschutz – wie jüngst eine Thüringer Arbeitnehmerin erfahren musste. Diese hatte auf dem Rückweg von ihrer Arbeit den Ausstieg aus der Regionalbahn an ihrem Heimatbahnhof verpasst. Am folgenden Bahnhof stieg die Frau aus und eilte über die Gleise, um den schon dort wartenden Zug in die Gegenrichtung zu erwischen. Hierbei wurde sie von einer Rangierlok erfasst und tödlich verletzt. Die Berufsgenossenschaft lehnte eine Einordnung als Wegeunfall ab, das Thüringer Landessozialgericht gab ihr Recht (Az: L 1 U 900/17).  

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