Urteil: Krankengeld trotz verspäteter AU-Bescheinigung

Berater Recht & Haftung von Martin Thaler

Die Abgabe der AU-Bescheinigung ist an feste Fristen gebunden. Doch es gibt Ausnahmen, wie nun das Sozialgericht Detmold festhielt.

Gibt es Krankengeld auch dann, wenn die AU-Bescheinigung nicht rechtzeitig bei der Krankenkasse eingeht?

Gibt es Krankengeld auch dann, wenn die AU-Bescheinigung nicht rechtzeitig bei der Krankenkasse eingeht? Foto: kalhh - Pixabay.de

Wer Krankengeld beziehen möchte, benötigt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung von seinem Arzt, in der die Krankschreibung bestätigt und die voraussichtliche Dauer festgehalten wird. Voraussetzung für den Erhalt von Krankengeld ist, dass die AU-Bescheinigung rechtzeitig beim Arbeitgeber eingeht. Allerdings kann es hier zu Ausnahmen kommen, wie nun das Sozialgericht Detmold festhielt (Az: S 5 KR 266/17).  

Was war passiert?  

Eine Arbeitnehmerin war auch nach Ablauf des Entgeldfortzahlungszeitraums krankgeschrieben. Ihr Hausarzt übergab ihr jedoch nicht das entsprechende Formular, sondern wollte dieses selbst an die Krankenkasse der Frau schicken – schließlich hatte er von der Krankenkasse hierfür Freiumschläge zur Verfügung gestellt bekommen. Hierbei ließ sich der Arzt allerdings offenbar zu viel Zeit, die AU-Bescheinigung erreichte die Krankenkasse erst nach der einwöchigen Meldefrist. Daraufhin verweigerte die Kasse die Zahlung, der Fall landete vor Gericht.  

Das Urteil  

Das Gericht wies in seinem Urteil daraufhin, dass es bei der Obliegenheit des Versicherungsnehmers, seine Arbeitsunfähigkeit rechtzeitig der Krankenkasse mitzuteilen, Ausnahmen gebe. Diese ergeben sich aus dem Gesetz über die Entgeldfortzahlung – der Arzt ist hiernach verpflichtet, die Arbeitsunfähigkeit der Krankenkasse zu melden. Verspätungen müsse sich hierbei die Krankenkasse zurechnen lasse.  

Gleiches gelte im vorliegenden Fall. Die Arbeitnehmerin hatte keine Chance, die Krankenkasse anderweitig über ihre Arbeitsunfähigkeit zu informieren – zudem war sie dazu auch nicht verpflichtet, da sie sich darauf verlassen hatte dürfen, dass der Arzt die Unterlagen rechtzeitig übermittele.  

Dass die Kasse diese Art der Übermittelung unterstütze, sei dadurch deutlich geworden, dass die Kasse besagte Freiumschläge zur Verfügung gestellt hatte. Damit sei das Risiko für den verspäteten Zugang der AU-Bescheinigung auf die Krankenkasse übergangen, urteilte das Detmolder Gericht.

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