Neuer Rekord: ZZR wird für Lebensversicherer immer mehr zum Problem

Top News Versicherungen von Martin Thaler

15 Milliarden Euro mussten die deutschen Lebensversicherer im vergangenen Jahr für die Zinszusatzreserve zurücklegen. In Zukunft könnte es noch deutlich mehr werden - eine Reform der ZZR-Berechnung wird immer dringlicher.

Sieht Anpassungsbedarf bei der ZZR: Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will.

Sieht Anpassungsbedarf bei der ZZR: Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will. Foto: Assekurata

15 Milliarden Euro haben die deutschen Lebensversicherer im vergangenen Jahr für die Zinszusatzreserve zurückgelegt – ein neuer Rekord, nachdem die Branche bereits im vergangenen Jahr 13 Milliarden Euro zur Deckung der hohen Garantiezinsverpflichtungen aus der Vergangenheit zurücklegen musste. Damit beläuft sich der Bestand der Zinszusatzreserve (ZZR) auf mittlerweile 60 Milliarden Euro rechnet die Rating-Agentur Assekurata in ihrem aktuellen Marktausblick vor.

Durch den gesunkenen Referenzzinssatz (liegt mittlerweile bei 2,21 Prozent) mussten die Lebensversicherer im vergangenen Jahr auch erstmal eine ZZR für Tarife mit einem Garantiezins von 2,25 Prozent bilden. Somit müssen die Versicherer für durchschnittlich 80 Prozent ihrer Bestände eine ZZR bilden. „In der Spitze unterliegen bei einzelnen Anbietern bereits mehr als 90 Prozent der Bestände der Nachreservierung“, sagt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata.  

Das belastet die Branche ungemein. So entsprach die Höhe der 2017 gebildeten ZZR beinahe dem gesamten bilanziellen Eigenkapital der Branche. „Allein für die Zuführung im Jahr 2017 mussten die Lebensversicherer rechnerisch 1,70 % Nettozins aus ihren Kapitalanlagen erwirtschaften, was in dem vorherrschenden Niedrigzinsumfeld keine Selbstverständlichkeit ist“, mahnt Heermann.  

Für die Zukunft ist es wahrscheinlich, dass sich der Ertragsdruck für die Lebensversicherer weiter verschärft. Sollten die Zinskonditionen auch 2018 unverändert bleiben, läge der Referenzzins bei 1,87 Prozent rechnet Assekurata vor. Die Tarifgeneration 1,75 Prozent bliebe hierbei zwar noch von Nachreservierungen verschont, die bereits betroffenen Tarifgenerationen würden jedoch weiterhin stark belastet. So rechnet Assekurata für das Jahr 2018 mit einem neuen Zuführungsrekord bei der ZZR: insgesamt 18 Milliarden Euro. 2019 würde dann auch die Tarifgeneration 1,75 Prozent erstmals reservepflichtig.  

150 Milliarden Euro bis 2025

Wie stark dies dann zum Problem für die Anbieter wird, hängt von deren Vertragsstrukturen ab. So würden Verträge der jüngeren Generation relativ hohe Laufzeiten aufweisen, die bei anhaltenden Niedrigzinsen auf lange Sicht von der ZZR betroffen sein könnten (Welche Versicherer bislang die höchsten ZZR-Rückstellungen bilden mussten, lesen Sie hier).

Bis 2025 prognostiziert Assekurata in einem Szenario mit leicht schwankenden Zinsen einen ZZR-Bestand von 150 Milliarden Euro. „Damit stellen die jährlichen Zuführungen die Versicherer weiterhin vor große Herausforderungen“, befand Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will.  

Aus diesem Grunde befürwortet auch die Kölner Rating-Agentur eine Anpassung der Berechnungsmethode der ZZR. Solche Forderungen waren in der Vergangenheit bereits aus zahlreichen Richtungen vernehmbar gewesen. So hatte BaFin-Chef  Felix Hufeld erst kürzlich ausgeführt, dass es nicht erforderlich sei, die Zinszusatzreserve im bisherigen Tempo auszubauen. "Das Wechselspiel zwischen der Absicherung bestehender Garantieverpflichtungen und der Vorwegnahme künftiger Kapitalerträge muss angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus neu justiert werden", so Hufeld.

Hier liege die Verantwortung nun bei der Politik, so Will, die möglichst frühzeitig für klare und zukunftsfähige Verhältnisse sorgen müsse. „Denn solange die aktuelle Berechnungsmethodik Gültigkeit besitzt, ist diese für die Kapitalanlagensteuerung der Versicherer maßgeblich, wodurch es unweigerlich zu weiteren Auflösungen von Bewertungsreserven kommt.“

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