Kaltakquise an der Haustür: Erlaubt oder nicht?

Berater Recht & Haftung von Florian Burghardt

Jeder hätte gerne Neukunden. Doch woher nehmen? Darf man sich in Zeiten von InsurTechs und Direktvertrieb eigentlich noch persönlich durchs Hochhaus klingeln? procontra erklärt, worauf Vermittler bei der Kaltakquise achten sollten.

Ein Vermittler stellt sich vor - unangemeldet und direkt an der Haustür. Darf er das?

Ein Vermittler stellt sich vor - unangemeldet und direkt an der Haustür. Darf er das? Bild: TeroVesaleinen/Pixabay

Jeder zweite Versicherungskunde bevorzugt bei der Beratung ein persönliches Gespräch in den eigenen vier Wänden. Doch gilt das auch, wenn der Vermittler plötzlich unangemeldet vor der Tür steht und dem Kunden völlig unbekannt ist? Früher gang und gäbe, haftet der Kaltakquise an der Haustüre heute durch die Berichte über Drückerkolonnen und Trickbetrüger eher ein negatives Image an. Immer wieder taucht unter Vermittlern außerdem die Frage auf: Darf man das heute überhaupt noch?

„Haustürgeschäfte sind grundsätzlich zulässig, auch wenn man heute von außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen spricht“, erklärt Peter Breun-Goerke, Syndikusrechtsanwalt der Wettbewerbszentrale, auf procontra-Nachfrage. „Entscheidend ist, dass es sich dabei nicht um eine unzumutbare Belästigung gemäß § 7 UWG handelt.“

„Ich kaufe nichts“

Dies wäre bei der Kaltakquise an der Haustüre zum Beispiel der Fall, wenn der Vermittler seine Identität nicht klar offenlegt oder versucht, unter einem falschen Vorwand in die Wohnung zu gelangen, um dann dort besser ins Verkaufsgespräch starten zu können. Schilder oder Aufkleber mit Aussagen wie „Keine Vertreter“ oder „Ich kaufe nichts“ sind zudem als echte Willenserklärungen der Kunden anzusehen. Wer diese missachtet und trotzdem klingelt, handelt wettbewerbswidrig und kann dafür belangt werden. So bald der Kunde erklärt, dass er die Beratung oder Werbung nicht wünscht, ist diesem Folge zu leisten.

Bei „Haustürgeschäften“ mit Gewerbekunden gelten dieselben Regeln. Auch hier können Vermittler nach Herzenslust klingeln und sich direkt an der Tür empfehlen – unter Beachtung der genannten Einschränkungen. Andere Regeln gelten bei der Kundenansprache auf dem digitalen (Telefon, Mail, SMS und Fax) und dem postalischen Vertriebsweg. Alles, was Vermittler hierzu wissen müssen, hat Breun-Goerke bereits im Interview mit procontra zusammengefasst.

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