Fernabsatz: Vermittler zwischen Pest und Cholera

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Wie sich Makler auf die IDD-Umsetzung vorbereiten sollten, erklärt Prof. Dr. Matthias Beenken, Professor für Betriebswirtschaftslehre (FH Dortmund), im Interview.

Was Makler zur IDD wissen müssen, erklärt Prof. Matthias Beenken.

Was Makler zur IDD wissen müssen, erklärt Prof. Matthias Beenken. Foto: Beenken

procontra: In Vermittlerforen herrscht Unsicherheit in Bezug auf das Inkrafttreten der IDD. Ab wann gilt denn nun was?

Prof. Matthias Beenken: Am 23. Februar 2018 läuft die Frist zur Umsetzung der IDD ab. Daran hat sich nichts geändert. Das deutsche Umsetzungsgesetz ist bereits in Kraft. Die Diskussion, auf die Sie anspielen, rührt daher, dass im Gegensatz zu Deutschland nicht alle EU-Mitgliedsstaaten im Zeitplan sind. Derzeit wird auf europäischer Ebene diskutiert – entschieden ist es noch nicht [Mittlerweile wurde eine Verschiebung auf den 1. Juli 2018 beschlossen. Das Interview wurde vor der entsprechenden Entscheidung durch den EU-Ministerrat geführt]– säumigen Mitgliedsstaaten eine Fristverlängerung einzuräumen, die auch nur für die Anwendung der IDD-Regeln in den betroffenen Unternehmen gelten soll. Zum Zweiten ist die Umsetzung zweier delegierter Rechtsakte gemeint. Diese wurden erst Mitte Dezember veröffentlicht – auch hier will man den Betroffenen mehr Zeit für die Umsetzung zugestehen.

procontra: Aber ist denn auf nationaler Ebene alles schon geklärt?

Beenken: Nein – tatsächlich fehlen noch die neue Versicherungsvertriebsverordnung, Nachfolgerin  der Versicherungs-Vermittlungsverordnung, und die überarbeitete VVG-Informationspflichten-Verordnung. Hier ist die derzeit geschäftsführend tätige Bundesregierung im Verzug.

procontra: Können Sie ein Beispiel nennen, welche konkreten Folgen das hat?

Beenken: Offen ist beispielsweise noch, wie Vermittler gegenüber den IHKs ihre Weiterbildung nachweisen müssen. Planungsstand derzeit ist, dass einmal jährlich eine Selbstauskunft erbracht wird. Und: Der Weiterbildungspartner darf die Nachweise elektronisch melden. Aber final ist das noch nicht. Durchaus denkbar ist, dass sich die Anforderungen der IHKs an den Nachweis der Weiterbildung noch ändern. Hier gilt es, die Fachpresse weiterhin zu beobachten.

procontra: Die Weiterbildungspflicht trifft ja auch Mitarbeiter im Vermittlerbüro. Wer ist davon betroffen?

Beenken: Jeder Versicherungsvertreiber, sagt die IDD. Allerdings versteht das Regelwerk darunter wesentlich mehr Personen als den klassischen Vertrieb. Mitarbeiter, die den Verkauf vorbereiten, sind genauso betroffen wie solche, die im Schadensfall den Kunden unterstützen.

procontra: Was können denn Vermittler heute schon tun, um sich auf die Weiterbildungspflichten vorzubereiten?

Beenken: Nachweise für die Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen sollten schon gesammelt werden. Und wer Mitarbeiter beschäftigt, sollte – falls nicht längst geschehen – Personalakten mit ausführlichen Stellenbeschreibungen anlegen und mit den Mitarbeitern besprechen.

procontra: Warum ist das wichtig?

Beenken: Die Tätigkeit als Versicherungsvertreiber erfordert laut Regelwerk besondere Kenntnisse und Fähigkeiten. Und das muss auch nachweisbar sein. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Mitarbeiter im Maklerbüro, der mit Versicherungsanlageprodukten beschäftigt ist, auch nachweisen können muss, dass er für diesen Bereich qualifiziert ist. Wie dieser Nachweis genau zu erfolgen hat, steht wie gesagt noch nicht fest. Makler sollten das auch nutzen, um unternehmerisch zu hinterfragen, ob die Mitarbeiter weiterhin mit den bisherigen Aufgaben betraut werden sollen oder nicht. Denn die Kosten für Weiterbildung müssen auch Nutzen bringen. Es ist also zu prüfen, welche Weiterbildungsmaßnahmen für wen geeignet sind.

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