Die Angst der Ergo vor dem Kollateralschaden

Versicherungen Top News von Martin Thaler

Für die LV-Bestände der Ergo hat es wohl einige Angebote gegeben, wie nun bekannt wurde. Allerdings habe der öffentliche Protest diese unattraktiver werden lassen. Die Munich-Re-Tochter Ergo hatte jedoch auch positive Zahlen zu präsentieren.

Die Ergo konnte für das letzte Jahr gute Zahlen präsentieren.

Die Ergo konnte für das letzte Jahr gute Zahlen präsentieren. Foto: Ergo

Es wäre der größte Run-off von Lebensversicherungen in Deutschland gewesen – 6 Millionen Policen der Töchter Ergo Leben sowie Victoria Leben überlegte die Ergo im vergangenen Jahr extern abwickeln zu lassen. Die Reaktionen hierzu fielen heftig aus. Zahlreiche Versicherungsvorstände anderer Unternehmen nannten die Ankündigung ein „PR-Desaster“ und beeilten sich, einen externen Run-off ihrer Bestände öffentlichkeitswirksam zu verneinen.

Auch die Politik meldete sich zu Wort: Aus der CDU wurden beispielsweise Pläne bekannt, wonach Besitzer von Lebensversicherungen einem Verkauf zustimmen müssten.  

Diese deutlich ausfallenden Reaktionen scheinen bei der Ergo-Mutter Munich Re offenbar dazu beigetragen haben, dass die Ergo die Bestände nun doch intern abwickeln möchte. Es seien „Kollateralschäden“ zu befürchten gewesen, teilte Munich-Re-Finanzvorstand Jörg Schneider auf einer Pressekonferenz am Dienstag laut einem Bericht des Handelsblatts mit.  

Denn Angebote, die laut Handelsblatt-Angaben im Milliardenbereich gelegen haben sollen, seien durchaus vorhanden gewesen. Der Gegenwind habe allerdings dafür gesorgt, dass diese doch nicht so unwiderstehlich gewesen seien.  

Das Thema externer Run-off wird von der Generali indes noch geprüft. Auch sonst ist das Thema noch nicht vom Tisch. Die Axa gab erst in der vergangenen Woche bekannt, mit der Frankfurter Leben-Gruppe, einer externen Run-off-Plattform, eine Vereinbarung über den Verkauf der Pro bAV Pensionskasse AG getroffen zu haben. 260.000 Verträge könnten – die Zustimmung der Finanzaufsicht BaFin vorausgesetzt – somit den Besitzer wechseln.  

Ergo mit starken Zahlen

Doch zurück zur Ergo: Dieses konnte den Gewinn im vergangenen Jahr deutlich gegenüber dem Vorjahr ausbauen: Statt 41 Millionen Euro stand am Ende ein Plus von 273 Millionen Euro in den Büchern. Allein im letzten Quartal erwirtschaftete der Versicherer ein Plus von 90 Millionen Euro (Vorjahr: 48 Millionen Euro). Hierfür maßgeblich war insbesondere ein starkes versicherungstechnisches Ergebnis in den Sparten Leben und Gesundheit, wodurch Verluste in der Schaden-/Unfallsparte sowie im internationalen Geschäft ausgeglichen werden konnten.  

Insgesamt konnte die Ergo die gebuchten Bruttobeiträge auf 17,546 Milliarden steigern (2016: 17,388). Die Schadenkostenquote in Deutschland stieg leicht gegenüber dem Vorjahr an (von 97 auf 97,5 Prozent), im internationalen Geschäft verbesserte sich diese allerdings deutlich (von 98 auf 95,3 Prozent).  

Das einstige Sorgenkind Ergo hatte sich vor wenigen Jahren ein neues Strategieprogramm verordnet, welches Einsparungen mit neuen Investitionen (beispielsweise die Lancierung des Online-Versicherers Nexible) vorsieht. 2021 soll dann, laut Ergo-Chef Markus Rieß, der Erstversicherer mehr als 600 Millionen Euro jährlich zum Konzernergebnis beitragen. 

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