Deutsche Versicherer in den Paradise Papers

Versicherungen Top News von Florian Burghardt

Bastian Obermayer von der Süddeutschen Zeitung ist einer der führenden Journalisten hinter den Panama und Paradise Papers. procontra fragte ihn, inwiefern seine jüngsten Enthüllungen auch die deutsche Versicherungsbranche betreffen.

Einer der führenden Journalisten hinter den Panama und Paradise Papers: Bastian Obermayer von der Süddeutschen Zeitung.

Einer der führenden Journalisten hinter den Panama und Paradise Papers: Bastian Obermayer von der Süddeutschen Zeitung. Screenshot: sueddeutsche.de

Die Panama Papers führten 2016 zu einer weltweiten Debatte über Steuerdelikte und Steuermoral, die unter anderem Festnahmen, Entlassungen und strengere Kontrollen nach sich zog. Damals standen vor allem prominente Personen im Fokus der Berichterstattung. Der Journalist Bastian Obermayer erhielt für seine Arbeit zusammen mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) sogar den Pulitzer-Preis.

Nur rund ein Jahr später ist er erneut führend an großen Enthüllungen beteiligt. In den Paradise Papers stehen diesmal aber weniger Personen als vielmehr die Namen großer Firmen und Konzerne im Mittelpunkt. Möglicherweise also auch deutsche Versicherungsunternehmen? procontra fragte nach.

procontra: Inwiefern sind auch deutsche Versicherer an den weltweiten Steuervermeidungsstrategien beteiligt? Welche Konsequenzen könnten sich daraus ergeben?

Bastian Obermayer: Wir haben deutsche Versicherer in den Paradise Papers gefunden, allerdings sind die Geschäfte sehr komplex und gleichzeitig nicht spektakulär für Außenstehende – und wohl nicht illegal. Deswegen haben wir dazu bisher auch nicht veröffentlicht.

procontra: Den moralischen Aspekt mal außen vorgelassen: Häufig ist in Verbindung mit den Paradise Papers zu lesen, dass die Modelle mit Briefkastenfirmen teils auch legal sind. Finden in Verbindung mit der deutschen Versicherungswirtschaft auch Steuergeschäfte statt, die illegal sind?

Obermayer: Schwer zu sagen, wir haben jedenfalls keine illegalen Deals gefunden in den Daten. Das kann aber auch daran liegen, dass die Vorgänge äußerst komplex sind.

procontra: Mit dem Blick auf grenzwertige Steuervermeidungsmodelle und komplexe Briefkastenfirmen-Konstrukte: Was sollte sich am Geschäftsgebaren der Versicherungsbranche ändern?

Obermayer: Ich finde, auch als Versicherer sollte man sich die Frage stellen, ob die Grenzen des Erlaubten wirklich ausgelotet werden müssen, mit Captives und anderen Formen, die manchmal möglicherweise genau an der Kante sind.

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