Depressionen bei jungen Menschen auf dem Vormarsch

Berater von Martin Thaler

Für Studenten scheint sich die Universität immer mehr zum Albtraum zu entwickeln, die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt stark an. Auch fernab von Proseminaren und Hörsälen werden Depressionen immer häufiger zu einem Problem.

Bei jungen Menschen, Studenten oder nicht, ist die Zahl der diagnostizierten Depressionen stark gestiegen.

Bei jungen Menschen, Studenten oder nicht, ist die Zahl der diagnostizierten Depressionen stark gestiegen. Foto: StockSnap - Pixabay.de

Hohe Erwartungen an sich selbst, zunehmender Leistungsdruck, der zu Panikattacken, Zukunftsängsten und Depressionen, in den schlimmsten Fällen gar zum Studienabbruch, existenziellen oder gar lebensbedrohlichen Krisen führt: Für Studenten werden psychische Erkrankungen immer häufiger zu einem Problem. „Für abertausende entpuppt sich die Uni als wahrer Albtraum“, erläuterte Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer Krankenkasse, bei der Vorstellung der aktuellen Version des „Arztreports“.  

Demzufolge litten 2016 17 Prozent aller Studenten unter einer psychischen Erkrankung – in absoluten Zahlen ergibt das eine Zahl von 470.000 Studierenden. Bei 86.000 von diesen wurde gar eine Depression festgestellt.   Verglichen mit Zahlen aus dem Jahr 2005 stieg die Zahl der mit psychischen Erkrankungen diagnostizierten Studenten deutlich um 38 Prozent an – bei Depressionen ist gar ein Anstieg von 76 Prozent feststellbar.  

Zweithäufigste Volkskrankheit 2020?

 „Vieles spricht dafür, dass es künftig noch deutlich mehr psychisch kranke junge Menschen geben wird“, prognostizierte Straub. „Gerade bei den angehenden Akademikern steigen Zeit- und Leistungsdruck kontinuierlich, hinzu kommen finanzielle Sorgen und Zukunftsängste.“ Gestützt wird diese Prognose auch von der Weltgesundheitsorganisation, die vermutet, dass Depressionen bis zum Jahr 2020 die zweithäufigste Volkskrankheit sein werden.  

Doch nicht nur Studierende leiden unter psychischen Störungen – die Zunahme in diesem Bereich sind bei jungen Erwachsenen allgemein feststellbar. So stieg die Zahl der 18- bis 25-Jährigen, die unter Angststörungen, Panikattacken oder Depressionen litten von 2005 bis 2016 um 38 Prozent, von 1,4 auf nun 1,9 Millionen. Das ist rund ein Viertel aller Deutschen in dieser Altersgruppe.  

Noch stärker fiel der Zuwachs bei der Zahl der Depressionen aus. 2016 wurden hier 557.000 Fälle diagnostiziert – das waren, bereinigt um demografische Effekte, 76 Prozent mehr als noch im Jahr 2005 (320.000 betroffene Personen). Damit waren 7,6 Prozent aller jungen Menschen zwischen 18 und 25 Prozent von einer Depression betroffen.

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