"Das Vertrauen in geschlossene Fonds kehrt zurück"

Top News Sachwerte von Julia Groth

Andreas Heibrock, Geschäftsführer des Immobilienspezialisten Patrizia Grundinvest, erklärt im Gespräch mit procontra, wie MiFID II den Vertrieb geschlossener Publikumsfonds beeinflusst und warum steigende Zinsen für Immobilienfonds kein Drama wären.

Patrizia-Geschäftsführer Andreas Heibrock.

Patrizia-Geschäftsführer Andreas Heibrock. Foto: Patrizia

procontra: Herr Heibrock, im vergangenen Jahr hatten Sie kritisiert, dass viele Anbieter geschlossener Fonds nicht gut auf die Einführung der Finanzmarktrichtlinie MiFID II vorbereitet gewesen seien. Sie warnten davor, dass der Vertrieb leiden könnte. Haben sich Ihre Befürchtungen bewahrheitet?

Andreas Heibrock: Meine Warnungen haben offenbar gewirkt (lacht). Die damalige Einschätzung speiste sich aus meinen Beobachtungen als Vorstandsmitglied des Bundesverbands Sachwerte und Investmentvermögen (bsi), der im Januar in den Spitzenverband Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA) integriert wurde. Wider Erwarten haben aber alle wichtigen Anbieter alternativer Investmentfonds den Vertrieb rechtzeitig informiert und mitgeteilt, welche Informationen sie gemäß MiFID II liefern können. Der Übergang ist somit deutlich besser gelaufen, als ich zunächst geglaubt hatte.  

procontra: Wie haben Sie sich auf MiFID II vorbereitet?

Heibrock: Wir sind über solche gesetzlichen Änderungen immer sehr aktuell informiert. Das hängt mit unserem Engagement in der Verbandsarbeit zusammen. So leitet mein Mitgeschäftsführer Joachim Fritz den Arbeitskreis Recht und Vertrieb beim bsi, heute ZIA. Dort werden regulatorische Neuerungen im Vorfeld ausführlich besprochen. Wir haben schon im November unsere Platzierungspartner darüber informiert, welche Änderungen auf sie zukommen, welche Aufgaben wir künftig übernehmen und was sie selbst tun müssen. Aus diesem Grund gab es bei der Platzierung unseres Fonds im Januar keine Verzögerung und erst recht keinen Vertriebsstopp.

procontra: Ein zentraler Punkt von MiFID II ist die Kostentransparenz von Anlageprodukten. Geschlossene Fonds gelten in dieser Hinsicht nicht gerade als Paradebeispiel.

Heibrock: Das sehe ich anders. Unsere Branche hat sich weitgehend auf ein einheitliches Gebührenmodell geeinigt. Die Vertriebspartner wissen, dass sie bis auf kleine Nuancen ein einheitliches Reporting von den Produktanbietern bekommen. Ich sehe uns beim Thema Kostentransparenz deshalb sehr gut aufgestellt.

procontra: Die Kosten geschlossener Fonds werden heute also transparent und nachvollziehbar ausgewiesen?

Heibrock: Natürlich. Das ist ja auch so vorgeschrieben, der Gesetzgeber verpflichtet uns dazu. Außerdem werden Anteile an geschlossenen Fonds bei uns überwiegend digital gekauft. Egal, ob ein Kunde die Zeichnung selbst vornimmt oder über einen Berater geht: Er bekommt automatisch eine Ex-ante-Kostenberechnung, die seine Beteiligungssumme berücksichtigt, also nicht nur ein abstraktes Beispiel. Auch das trägt zur Transparenz bei.

procontra: Die Anforderungen an Emittenten und Verkäufer sind durch MiFID II deutlich gestiegen. Wird der Vertrieb geschlossener Fonds schwieriger?

Heibrock: Die Richtlinie stellt für den Vertrieb erst einmal eine zusätzliche Hürde dar. Es wird sich aber alles einspielen, wie schon bei früheren regulatorischen Neuerungen. Die Digitalisierung hilft dabei. Ich erwarte durch MiFID II also keine Einschränkungen für den Vertrieb.  

procontra: Nach jahrelanger Schwächephase ist die Nachfrage nach geschlossenen Fonds zuletzt wieder gestiegen, vor allem bei Immobilienprodukten. Setzt sich der Aufwärtstrend im laufenden Jahr fort?

Heibrock: Es fällt mir schwer, für die gesamte Branche zu sprechen. Für unser Unternehmen kann ich sagen, dass wir den Umsatz von 2016 bis 2017 nahezu verdoppelt haben. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren mehr als 200 Millionen Euro eingesammelt, gewinnen fast jede Woche neue Platzierungspartner hinzu, vor allem Banken und Sparkassen. Ich nehme durchaus eine Aufbruchsstimmung wahr, das Vertrauen in geschlossene Fonds kehrt zurück. Je länger die Niedrigzinsphase anhält, desto dynamischer wird der Aufwärtstrend. Mehr und mehr Anleger sind auf der Suche nach Produkten, die höhere Erträge ermöglichen als herkömmliche Investments. Bei geschlossenen Immobilienfonds werden sie fündig.

Seite 1: Keine Einschränkungen für den Vertrieb
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