Cyber-Versicherung: Kundenverhalten weiter paradox

Versicherungen von Florian Burghardt

Gebäude- und Haftpflichtschutz stehen weiter hoch im Kurs, während Cyber-Policen ein Schattendasein fristen. Dabei sehen Unternehmer in Computer und Daten den höchsten Wert ihres Betriebs. Vor allem KMU verhalten sich unlogisch, wie eine Studie zeigt.

Paradox: Obwohl Gewerbekunden in Cyber-Attacken das größte Risiko sehen und ihre Computersysteme inklusive Daten als wertvollsten Bereich im Unternehmen einschätzen, hat kaum jemand von ihnen bislang eine Cyber-Versicherung abgeschlossen.

Paradox: Obwohl Gewerbekunden in Cyber-Attacken das größte Risiko sehen und ihre Computersysteme inklusive Daten als wertvollsten Bereich im Unternehmen einschätzen, hat kaum jemand von ihnen bislang eine Cyber-Versicherung abgeschlossen. Bild: stevepb/Pixabay

Studien zum Thema Cyber-Versicherung offenbaren immer wieder die paradoxe Einstellung deutscher Gewerbetreibender – und zeigen der Versicherungsbranche, dass es sich hierbei um einen großen potenziellen Markt handelt. Denn obwohl die Unternehmen durchweg mit steigenden Schäden durch Hackerangriffe und Schadsoftware rechnen und obwohl rund die Hälfte aller Gewerbetreibenden in den letzten 12 Monaten Opfer einer Cyber-Attacke wurden, verfügt weniger als ein Drittel von ihnen über eine entsprechende Versicherung.

Gerade einmal 13 Prozent Policen-Abdeckung findet sich bei den Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU). Das geht aus der KMU-Studie 2018 der Gothaer Versicherung hervor. Befragt wurden dafür 1.004 KMU-Mitarbeiter aus 21 Branchen, die bei ihren Arbeitgebern für das Thema Versicherungen (mit-)verantwortlich sind.

Kaum Schutz vor großen Risiken

Gegenüber den wenigen vorhandenen Cyber-Policen stehen bei den KMU hohe Abdeckungsquoten bei der Betriebshaftpflicht- (83 Prozent) und der gewerblichen Gebäudeversicherung (57 Prozent). Auch hier zeigt sich die paradoxe Einstellung, da die Befragten bereits in den letzten drei Auflagen der Studie angaben, dass sie ihr Computersystem inklusive Daten als den wertvollsten Bereich im Betrieb einschätzen und ein Schaden dort die größten Verluste verursachen würde (2018: 37 Prozent; 2017: 34 Prozent; 2015: 31 Prozent). Zum Vergleich: Maschinen und Gebäude liegen gleich auf mit jeweils nur 18 Prozent.

Bei der Rangliste der bedrohlichsten Risiken aus KMU-Sicht liegen Hackerangriffe, Datendiebstahl, Viren und Trojaner mit 40 Prozent der Stimmen auf Rang zwei hinter Einbruch und Vandalismus (49 Prozent; Mehrfachnennungen möglich). Erst auf Rang drei folgen Brände und Explosionen mit 37 Prozent. Betriebsausfall liegt mit 28 Prozent auf Rang fünf. Dennoch verfügt laut der Gothaer-Studie jedes fünfte Unternehmen nicht einmal über ein Virenschutzprogramm. Nur 72 Prozent haben eine Firewall und 31 Prozent verzichten auf regelmäßige Backups ihrer Daten.

Gratis Hilfe

Die Gothaer, Auftraggeber der Studie, hat kürzlich eine Cyber-Police dem ganzen Markt zugänglich gemacht, die bislang nur Gewerbe-Bestandskunden vorbehalten war. Sie richtet sich an KMU mit einem Jahresumsatz von bis zu 5 Millionen Euro. Sie beinhaltet unter anderem eine rund um die Uhr erreichbare Schaden-Hotline, die bei der Wiederherstellung von Daten und Programmen unterstützt. Die Kosten der Hilfsmaßnahmen für die ersten 48 Stunden trägt die Gothaer dabei immer – auch dann, wenn sich später herausstellt, dass kein Hackerangriff gegeben war, heißt es von Seiten des Unternehmens.

Die Nase vorn im Cyber-Bereich haben allerdings aktuell noch andere Versicherer. Eine Umfrage unter Maklern hatte kürzlich ergeben, dass die besten Produktgeber für gewerbliche Cyber-Policen Hiscox (33 Prozent), Allianz (23 Prozent) und R+V (20 Prozent) sind.

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