Cyber-Versicherung: Gewerbekunden zunehmend planlos

Berater von Florian Burghardt

Die Absicherung gegen Hackerangriffe und Schadsoftware ist für viele deutsche Unternehmen nicht nur Neuland, sie gerät auch wieder mehr ins Hintertreffen. Welche Fehler sie machen, was sie sich von einer Police erhoffen und wo Makler anknüpfen können.

Die deutschen Unternehmen haben beim Thema Cyber-Versicherung nichts dazugelernt. Viele von ihnen ändern auch nach einem Schaden nichts an ihrem Schutz.

Die deutschen Unternehmen haben beim Thema Cyber-Versicherung nichts dazugelernt. Viele von ihnen ändern auch nach einem Schaden nichts an ihrem Schutz. Bild: geralt/Pixabay

Man könnte meinen, das Aufsehen und die weltweit hohen Schäden durch die Software-Attacken „Petya“ und „Wannacry“ im vergangenen Jahr hätten das Bewusstsein von Unternehmen für das Thema Cyber-Versicherung geschärft. Doch das Gegenteil ist der Fall. So gelten aktuell 77 Prozent der deutschen Unternehmen als Cyber-Anfänger. Das sind deutlich mehr als noch im Vorjahr (62 Prozent).

Zu diesem Ergebnis kommt der Spezialversicherer Hiscox in seinem „Cyber Readiness Report 2018“. Dafür wurden über 4.000 Unternehmen aus Deutschland, den USA, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden zu den Kriterien Strategie, Ressourcen, Technologie und Prozesse im Bereich Cyber-Schutz befragt.

Knapp über 1.000 der Unternehmen sitzen in Deutschland. Sie weisen im internationalen Vergleich die zweitmeisten Cyber-Anfänger aus (nur die Niederlande sind mit 82 Prozent noch schwächer aufgestellt) und liegen auch bei den Cyber-Fortgeschrittenen (14 Prozent) und Cyber-Experten (10 Prozent) unter dem Durchschnitt. Bei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) aus Deutschland gelten sogar 83 Prozent als Cyber-Anfänger.

Schockstarre bei deutschen Firmen

„Die hohen Anfänger-Quoten sind alarmierend, nachdem das Thema Cyber-Sicherheit in der öffentlichen Wahrnehmung immer präsenter wird. Die Verunsicherung in den Unternehmen ist jedoch groß. Das führt in vielen Fällen dazu, dass lieber nichts getan wird, als eine falsche Entscheidung zu riskieren und diese im Zweifelsfall verantworten zu müssen. Wobei Abwarten bei diesem Thema zu deutlich schwerer wiegenden Konsequenzen führen kann“, so Robert Dietrich, Hauptbevollmächtigter von Hiscox Deutschland.

Beispielsweise war in den letzten 12 Monaten fast jedes zweite deutsche Unternehmen von einem Cyber-Zwischenfall betroffen. 45 Prozent dieser Unternehmen gaben an, infolge des Zwischenfalls nichts an ihrem Cyber-Schutz geändert zu haben. Und das, obwohl pro betroffenem KMU in den letzten 12 Monaten Schäden von durchschnittlich 46.000 Euro angefallen sind. Bei den großen Unternehmen waren es durchschnittlich sogar 342.000 Euro.

Chancen für Vermittler

Allerdings gibt es auch positive Tendenzen auf dem deutschen Gewerbemarkt für Cyber-Versicherungen. Mit 33 Prozent verfügen mittlerweile mehr Unternehmen über eine entsprechende Police als noch im Vorjahr (30 Prozent). Weitere 25 Prozent planen den Abschluss innerhalb der nächsten 12 Monate. Neben der Übernahme hoher Kosten nach einer Attacke (37 Prozent) ist den Befragten auch die Beratung und Expertise des Versicherers im Schadenfall besonders wichtig (33 Prozent).

Die gestiegene Abschlussbereitschaft der gewerblichen Cyber-Kunden macht sich auch beim Versicherungsvertrieb bemerkbar. So vermittelt schon jeder fünfte Makler gewerbliche Cyber-Policen. Für Vermittler, die in dieser Sparte ebenfalls Fuß fassen wollen, hat der GDV im vergangenen Jahr einige Muster für Vertragsbedingungen und Fragebögen zur Cyber-Versicherung bereitgestellt.

Der vollständige Hiscox „Cyber Readiness Report 2018“ in englischer Sprache kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden. 

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