Bürgerversicherung? Spahn hält nichts von Etiketten

Versicherungen von Michael Fiedler

Kommt eine Bürgerversicherung nur mit anderem Etikett? Die Gesundheitspolitik steht vor großen Herausforderungen. Wo der designierte Gesundheitsminister Jens Spahn ansetzen will und was ihm in die Hände spielt.

Jens Spahn Gesundheit Krankenversicherung Pflege

Wo sieht der designierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Ansatzpunkte im Gesundheitswesen? Bild: Bernd Von Jutrczenka/dpa

Stimmen die SPD-Mitglieder für den Koalitionsvertrag, wird Jens Spahn (CDU) Bundesgesundheitsminister. Und der 37-Jährige freut sich, Verantwortung übernehmen zu können, sagte er am Montagabend im ZDF heute-Journal.
Gefragt nach einer möglichen Bürgerversicherung, die laut Koalitionsvertrag geprüft werden soll, sagte Spahn, dass er gegen solche Etiketten sei. Bekomme ich als gesetzlich Versicherter genauso schnell einen Facharzt-Termin wie Privatpatienten? Diese Frage sei, so Spahn, am besten innerhalb des GKV-Systems zu klären. Auch müsste die Vergütung von Sprechstunden mit GKV-Patienten verbessert werden. Das Wegbrechen der Infrastruktur im ländlichen Raum und das Fehlen von Pflegekräften nannte Spahn als wichtigste Herausforderungen.
Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland kündigte der designierte Bundesgesundheitsminister den Ausbau der Terminservicestellen an. Auch sprunghafte Beitragsanstiege in der PKV müssten aufhören: "Wir müssen verhindern, dass für einen einfachen Polizisten stark steigende Beiträge im Alter zu einer sozialen Frage werden." Im Pflegebereich soll die Ausbildungskapazität erhöht und die Tarifbindung verbessert werden.

Fernbehandlungsverbot soll gelockert werden

Insbesondere bei der Frage nach ärztlicher Versorgung im ländlichen Raum kündigen sich Veränderungen an, die Spahn in die Hände spielen könnten. So soll das Fernbehandlungsverbot gelockert werden. Entsprechende Vorschläge hat der Vorstand der Bundesärztekammer erarbeitet. In einem Sitzungsprotokoll des Gremiums, das dem Magazin "Der Spiegel" vorliegt, heißt es, dass "eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über elektronische Kommunikationsmedien erlaubt [ist], wenn dies im Einzelfall ärztlich vertretbar ist."
Schon im Mai soll der Bundesärztetag über eine entsprechende Änderung abstimmen.
Freuen wird dies sicher auch ottonova, die bereits entsprechende Pilotprojekte im Bereich Telemedizin durchführen.

Auch im Pflegebereich gelten technische Hilfsmittel als Ansätze zur Verbesserung der Versorgungssituation. Dass Jens Spahn eine Affinität zu Digitalthemen hat, könnte sich als Vorteil bei den anstehenden Reformen im Gesundheitssektor erweisen.

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