BdV: "Versicherte sind der GroKo gleichgültig"

Berater von Michael Fiedler

Niedrigzins, Run-Off, LVRG II und Stärkung der Altersvorsorge - all das vermisst der Bund der Versicherten (BdV) im Koalitionsvertrag. Was die Verbraucherschützer kritisieren und welche Forderungen sie haben, erklärt Bianca Boss im Interview mit procontra.

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Übt scharfe Kritik am Koalitionsvertrag: Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Bild: Screenshot NDR/ Sendung Markt

Während Personaldebatten das Warten auf das SPD-Mitgliedervotum zum Koalitionsvertrag überdecken (sollen), hatte der Bund der Versicherten (BdV) genügend Zeit, sich auf die Inhalte im angedachten Regierungsprogramm zu konzentrieren. Die Suche danach verlief nicht sehr erfolgreich: "Leistungskürzungen, geschmälerte Renditen und Run-Offs haben das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in die private Altersvorsorge nachhaltig gestört - im Koalitionsvertrag finden sich jedoch keinerlei Lösungsvorschläge. Die Lebensversicherungsbranche und ihre Kunden sind den Großkoalitionären offensichtlich gleichgültig - das ist sehr beunruhigend", so Bianca Boss vom BdV.

"Gefälligkeitsgesetze für die Versicherungswirtschaft"

Gerade mit Blick auf die Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) sieht man beim BdV Korrekturbedarf. "Die Rechtsvorschriften mit dem euphemistischen Titel ‚Gesetz zur Absicherung stabiler und fairer Leistungen für Lebensversicherte' sind in weiten Teilen Gefälligkeitsgesetze für die Versicherungswirtschaft - zu Lasten der Kunden. Sie haben der privaten Altersvorsorge massiv geschadet", so Boss. Im Koalitionsvertrag werde der Bereich Lebensversicherung nahezu vollständig ausgespart. Belastbare Aussagen zu Auswegen aus der Niedrigzinsfalle oder Konzepte zum Schutz der Lebensversicherungskunden würden Altersvorsorgesparer vergeblich im Koalitionsvertrag suchen. "Die Große Koalition möchte laut Koalitionsvertrag in einem ‚Dialogprozess mit der Versicherungswirtschaft' ein ‚Standard-Riester-Produkt' entwickeln - d. h. diejenigen, die schon in der Vergangenheit gescheitert sind, sollen für die Zukunft in einem Kartell aus Politik und Versicherungswirtschaft attraktive Lösungen erarbeiten. Die Große Koalition möchte den privaten Altersvorsorgegedanken offensichtlich nicht nur nicht unterstützen, sondern allmählich beerdigen. Die selbstverordnete Reformpause ist verheerend für die Alterssicherung in Deutschland", so Bianca Boss. Im Kurzinterview mit procontra ging Bianca Boss vertiefend auf die Positionen des BdV ein.

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