Welche Daten die Schufa prüft

Themenseite Ratenkreditmarkt von Bernd Schlagensetter

Wer auf einen günstigen Kredit hofft, ist auf eine gute Bonitätsbewertung angewiesen. Diese nimmt meist die Wirtschaftsauskunftei Schufa vor. Welche Daten diese nutzt, ist weitgehend unbekannt. Eine Annäherung.

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Wenn Banken einen Kredit gewähren, fragen sie in der Regel zuvor die Kreditwürdigkeit bzw. die Bonität ihres potenziellen Kunden ab. Als Dienstleister fungiert hier in der Regel die Wirtschaftsauskunftei Schufa (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung), die wohl den meisten Deutschen ein Begriff sein wird. 

Weit weniger bekannt sein dürfte, wie die Schufa die Bonität ihrer Kunden im Rahmen ihres Scoring-Verfahrens ermittelt, also welche personenbezogenen Daten zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit herangezogen werden. Eines vorweg: Die genaue Scoreformel der Wirtschaftsauskunftei ist ein Geschäftsgeheimnis – dies bestätigte erst vor 2014 der Bundesgerichtshof (BGH, AZ: VI ZR 156/13). Zudem berechnet die Schufa den jeweiligen Score branchenspezifisch – der Score kann also für die gleiche Person anders ausfallen, wenn er eine Hausfinanzierung anstrebt als wenn er einfach nur einen Mobilfunkvertrag abschließt. 

Für viele Verbraucher ist das natürlich ärgerlich. Schließlich ist die Schufa-Einschätzung, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Verbraucher seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen wird, entscheidend dafür, ob der Verbraucher einen Kredit bekommt und wenn ja, zu welchen Konditionen. 

Zwar lässt sich die genaue Scoreformel nicht ermitteln, jedoch lässt sich grundlegend sagen, welche Daten in die Bonitätsprüfung einfließen. Auch Makler, die im Bereich der Kreditvermittlung tätig werden wollen, sollten die Vorgehensweise der Schufa kennen, um ihre Kunden von Anfang an richtig beraten zu können. 

  • Grundlegende Daten wie Name, Anschrift und Geburtsdatum
  • Von den zahlreichen Vertragspartnerunternehmen erhält die Schufa Auskünfte zu bestehenden Bankkonten, vorhandenen Kreditkarten, Krediten und Bürgschaften oder Mobilfunkverträgen
  • War in der Vergangenheit nicht-vertragskonformes Verhalten feststellbar? Kam es also zu Zahlungsausfällen oder wurde ein Kredit von einer Bank gekündigt?
  • Diese Daten werden dann in Bezug zueinander gesetzt. Wenn ein Verbraucher über viele Kreditkarten verfügt, kann dies zum Problem werden, wenn zudem Zahlungsausfälle feststellbar waren. Liegen keine vor, kann die Vielzahl an Kreditkarten indes positiv ausgelegt werden – schließlich haben die Kreditkartenanbieter dem Verbraucher Vertrauen geschenkt
  • In Ausnahmefällen greift die Schufa auch auf das sogenannte Geo-Scoring zurück – das heißt die Kreditwürdigkeit des Kunden wird von dessen Wohnort abhängig gemacht. Wenn dessen Nachbarn eine schlechte Bonität besitzen, wird diese für besagten Verbraucher auch angenommen. Allerdings gibt die Schufa an, in „99,7 Prozent aller Scoreberechnungen“ auf Geo-Scoring zu verzichten. Hierauf werde nur zurückgegriffen, wenn zur angefragten Person sonst keinerlei Daten vorliegen würden, teilt die Wirtschaftsauskunftei mit
  • Das sogenannte Social-Scoring, also die Auswertung von Daten aus sozialen Netzwerken, wird von der Schufa laut eigenen Angaben nicht betrieben – wohl aber eher unfreiwillig. Denn 2013 beauftragte die Schufa das Hasso-Plattner-Institut, zu prüfen, wie sich Daten aus Twitter, Facebook & Co. zur Bonitätsprüfung nutzen lassen. Nach Protesten von Datenschützern stoppte die Schufa allerdings das Vorhaben.

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