Vertriebe schlagen riskanten Kurs ein

Sachwerte Top News von Stefan Terliesner

Zwischen geschlossenen Beteiligungsmodellen gibt es entscheidende Unterschiede, die Anlegern und Beratern bekannt sein sollten. Aktuell scheint sich der Vertrieb immer stärker den weniger streng regulierten Vermögensanlagen zuzuwenden.

Manche Vertriebe schlagen einen riskanten Kurs ein.

Manche Vertriebe schlagen einen riskanten Kurs ein. Grafik: Robert Kulon

Es soll ja noch Privatanleger geben, die es auf die Renditen von geschlossenen Beteiligungsmodellen abgesehen haben. Die Anbieter solcher Finanzkonstruktionen versprechen oft eine jährliche Verzinsung von 3 bis 8 Prozent, manche sogar mehr.

Das Problem: Investoren haben die Qual der Wahl. Das Angebot reicht von Direktinvestments, über Nachrangdarlehen und Genussrechte bis zu Alternative Investmentfonds (AIF). Dem Anleger sind entscheidende Unterschiede oft gar nicht bekannt. „Und selbst mancher Berater kommt bei den Differenzierungen ins Straucheln. Dabei sind diese auch entscheidend dafür, ob ein Produkt zum Bedarf des Anlegers passt“, sagt Stefan Klaile, Vorstand bei Xolaris Service KVAG, einem Dienstleister für Initiatoren von illiquidem Investmentvermögen.  

Zwei Produktwelten  

Anleger und Berater sollten sich nicht aufs Glatteis begeben. Nicht umsonst hat der Gesetzgeber nach den schlechten Erfahrungen der Vergangenheit die Regulierung verschärft. Heute gibt es quasi zwei Produktwelten: die eher lasch überwachten Anlageformen gemäß Vermögensanlagegesetz (VermAnlG) sowie die strenger kontrollierten AIF, für die das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) gilt.

Beobachter wie Stephanie Lebert, Senior Analystin bei der Ratingagentur Scope, warnen: „Aktuell scheint der Vertrieb sich immer mehr in Richtung der weniger streng regulierten Vermögensanlagen zu orientieren.“ So hätten die Emittenten im dritten Quartal 2017 18 Produkte mit einem insgesamt zu platzierenden Eigenkapital von 351 Millionen Euro ins Schaufenster gestellt – 38 Prozent mehr als im Vierteljahr zuvor. Demgegenüber sei das emittierte Eigenkapital bei geschlossenen AIF im gesamten bisherigen Jahresverlauf um ein Viertel auf 532 Millionen Euro gefallen.  

Vor diesem Hintergrund gibt Lebert zu bedenken, dass nur für AIF das deutlich höhere Transparenz- und Schutzniveau des KAGB gilt. Für Scope seien das Fehlen sowohl einer Verwahrstelle – in der Regel eine Bank – als auch eines umfassenden Risikomanagements die größten Nachteile von Vermögensanlagen gegenüber regulierten AIF. Weitere Mankos seien die fehlende jährliche Bewertung der Assets sowie die fehlenden gesellschaftsrechtlichen Mitwirkungsrechte wie zum Beispiel Teilnahme- und Stimmrecht an der Gesellschafterversammlung des Emittenten. Insofern würden diese Anleger zu nachrangigen Gläubigern der jeweiligen Vermögensanlage.  

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