Verspäteter Sturmschaden: Wann die Wohngebäudeversicherung zahlen muss

Berater Recht & Haftung von Martin Thaler

Viele Wohngebäudeversicherungen verlangen eine zeitliche Unmittelbarkeit zwischen Schadensursache und Schaden. Doch was ist, wenn ein Baum erst Tage nach einem Sturm auf ein Haus stürzt? Das OLG Hamm musste entscheiden.

Wenn ein Baum erst 6 Tage nach dem Sturm umstürzt - muss die Versicherung dennoch zahlen?

Wenn ein Baum erst 6 Tage nach dem Sturm umstürzt - muss die Versicherung dennoch zahlen? Foto: PublicDomainPictures - Pixabay.de

Mit Burglind zog erst kürzlich ein schwerer Orkan über den Süden von Deutschland. Viele Bäume stürzten um – wer über eine Wohngebäudeversicherung verfügte, war im Schadensfall gut abgesichert. Was aber geschieht, wenn der Baum nicht unmittelbar während des Sturms umstürzt, sondern erst Tage später? Über einen solchen Fall hatte unlängst das Oberlandesgericht Hamm (Az: 6 U 191/15).  

Was war passiert?  

Ein Hausbesitzer hatte 1991 eine Wohngebäudeversicherung abgeschlossen, mit der er sein Haus unter anderem auch gegen Sturmschäden absichern wollte. In den Versicherungsbedingungen hieß es, dass nur Schäden versichert seien, „die entstehen durch unmittelbare Einwirkung des Sturms auf versicherte Sachen“.  

Im Jahr 2010 herrschte am Wohnort des Hausbesitzers ein Sturm mit der Windstärke 8 (erst ab dieser Windstärke akzeptierte die Wohngebäudeversicherung Schäden durch Sturm). Während des Sturms kam es zu keinen Schäden – allerdings stürzte sechs Tage später eine Buche vom Nachbargrundstück auf das Haus des Versicherungsnehmers.  

Die Wohngebäudeversicherung weigerte sich allerdings zu zahlen: Der Schaden sei nicht durch eine unmittelbare Einwirkung des Sturms entstanden. Hiergegen zog der Mann vor Gericht.  

Das Urteil  

Das OLG Hamm entschied, auch unter das Sachverständigenurteil einer Holzwirtin, dass der umgefallene Baum durch den Sturm entwurzelt worden sei. Hierdurch habe er seine Standfestigkeit eingebüßt. Dass der Baum erst zeitverzögert umfiel und das Gebäude beschädigte, ändere nichts daran, „dass der Baum ursächlich durch den Sturm auf das Flachdach des Hauses geworfen wurde“.  

Die Allgemeinen Versicherungsbedingungen seien so auszulegen, wie ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer sie bei aufmerksamer Durchsicht verstehen muss, führten die Hammer Richter aus. Entscheidend sei somit folglich, dass der Sturm die maßgebliche Ursache für den Schaden sei – eine zeitliche Unmittelbarkeit sei hierbei zu vernachlässigen, sofern keine weitere Ursache zwischen Sturm und Schaden tritt. Ein weiteres Naturereignis war laut Sachverständigen-Gutachten für das Umfallen des Baums im vorliegenden Fall nicht ersichtlich, so dass der Sturm als Ursache für den späteren Sturz des Baumes zu werten sei. Es liege somit ein Versicherungsfall vor.  

Hinweis: Mit einer ähnlich gelagerten Thematik hatte sich im vergangenen Jahr auch das Amtsgericht München auseinanderzusetzen. Damals ging es darum, ob die Wohngebäudeversicherung für die Fällung eines Baumes bezahlen muss, der durch einen Sturm gefährlich in Schieflage geraten und war und auf ein Haus zu fallen drohte.

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