Unfallschutz auch fernab der Schule

Berater Recht & Haftung Top News von Martin Thaler

Wo endet der gesetzliche Unfallschutz für Schüler? Inwieweit sind auch "moderne" Unterrichtsformen abgedeckt? Das Bundessozialgericht musste nun entscheiden.

Für den damals 15-jährigen Jochen Knoop hatte ein Unfall schwerwiegende Folgen.

Für den damals 15-jährigen Jochen Knoop hatte ein Unfall schwerwiegende Folgen. Foto: dpa

Es war nur ein Schubser – doch dieser reichte, um das Leben des damals 15-jährigen Jochen Knoop komplett zu verändern. Bei einem Schulprojekt war es zu Streit gekommen, aus Worten wurden schließlich Rempeleien. Jochen stürzte hierbei unglücklich, schlug mit dem Kopf auf den Bordstein – seitdem sitzt der einstige Realschüler, mittlerweile 20 Jahre alt, im Rollstuhl. Seit diesem Tag ging es für die Familie des Jungen um die Frage, ob die gesetzliche Unfallversicherung zahlen muss. Nun brachte das Bundessozialgericht (Az: B 2 U 8/16 R) endlich Klarheit.  

Was war passiert?  

Im Musikunterricht sollte Jochen mit drei weiteren Mitschülern einen Videoclip drehen. Während des Unterrichts wurde das Quartett mit dem Video nicht fertig – von ihrer Musiklehrerin erhielten sie darauf das Einverständnis, das Video nach Schulschluss im Haus eines Schülers fertigstellen zu können. Auf dem Weg hierhin kam es zwischen den Schülern jedoch zum Streit, der mit dem Sturz des 15-Jährigen endete.  

Die entsprechende Unfallkasse lehnte es allerdings ab, für die entstandenen Kosten aufzukommen. Schließlich habe sich der Unfall im Rahmen von Hausarbeiten ereignet.  Diese fielen aber – im Gegensatz zu einem Schulprojekt – in den Verantwortungsbereich der Eltern, nicht aber der Schule.

Nachdem die Unfallkasse in erster Instanz Recht behalten hatte, hob das folgende Landessozialgericht Baden-Württemberg das Urteil auf (Az: L 6 U 4904/14). Auch Projektarbeiten außerhalb der Schule gehörten zu einem modernen Unterrichtskonzept, so die Richter. Der Schutzbereich der gesetzlichen Unfallversicherung müsse diesen entsprechend ebenfalls abdecken.  

Das Urteil

Dieser Ansicht schloss sich nun auch das Kasseler Bundessozialgericht an.  Es handele sich nämlich nicht um eine bloße Hausarbeit. Stattdessen habe die Lehrerin eine Schülergruppe aus pädagogischen und organisatorischen Gründen zusammengestellt und mit einer Aufgabe bedacht, die die Schüler außerhalb der Schule selbstorganisiert lösen sollten. Somit werde der Schulbesuch fortgesetzt – dies könne auch abseits des Schulgebäudes sein.  

Die Unfallkasse muss damit für die entstandenen Kosten aufkommen.

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