Studie: Ärzte behandeln nach Kassenlage

Berater von Michael Fiedler

Ob die Bürgerversicherung das bisherige System mit gesetzlicher (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV) ablöst oder nicht: Reformbedarf im Gesundheitswesen besteht dennoch. Zu welchen Verschiebungen das Vergütungssystem führt, offenbart eine neue Untersuchung.

Einheitskasse Gesundheit Versicherung PKV GKV

Ist das Budget aufgebraucht, wird nicht mehr behandelt, so das Fazit einer Untersuchung. Bild: pixabay / Ippicture

„Das ambulante Vergütungssystem führt dazu, dass weniger Behandlungen am Quartalsende stattfinden und es einen sprunghaften Anstieg am Quartalsanfang gibt“, so Prof. Mathias Kifmann vom Hamburg Center for Health Economics (HCHE). Kifmann wertete auf Basis von Daten der Techniker Krankenkasse ambulante Abrechnungsdaten aus den Jahren 2013 und 2014 aus. Kernergebnis der repräsentativen Untersuchung: Gegen Ende eines Quartals muss länger auf einen Termin gewartet werden.

Behandlung nach Kassenlage

Zu Quartalsende würden seltener Leistungen erbracht werden, die über Pauschalen und Globalbudgets vergütet werden, hieß es zur Begründung in der Studie. Stattdessen würden sich Vertragsärzte dann auf Leistungen konzentrieren, die keinen mengenbegrenzenden Regelungen unterliegen, beispielsweise Impfungen, Vorsorge oder ambulante Operationen.

Das Problem liege in der Vergütungspraxis, so das HCHE. Denn alle Leistungen der niedergelassenen Ärzte, die durch Globalbudgets vergütet werden, werden nur solange voll erstattet, bis die sogenannten Regelleistungsvolumina oder andere mengenbegrenzende Regelungen ausgeschöpft sind. Behandeln Ärzte darüber hinaus, erhalten sie nur noch eine geringere Erstattung. Je nach Fachrichtung werden zwischen 50 und 90 Prozent der Leistungen durch Globalbudgets vergütet. Folglich würden vielfach Leistungen aus dem Globalbudget in den letzten vier Quartalswochen reduziert. Besonders deutlich zeige sich dieser Effekt bei Hautärzten, Augenärzten und Gynäkologen.

Für Behandlungen wie Impfungen, Vorsorge und ambulante Operationen, die unabhängig von Pauschalen und Globalbudgets sind, konnten dagegen über alle Fachrichtungen hinweg keine quartalsbedingten Effekte festgestellt werden. Mit einer Ausnahme: Bei Allgemeinmedizinern konnten ähnliche Reduzierungen bei allen Leistungen festgestellt werden. „Wir gehen daher davon aus, dass Hausärzte ihre Praxentätigkeit zum Ende des Quartals einschränken“, erklärt Prof. Kifmann.

Bereitschaftsdienst: Nutzung steigt zum Quartalsende

Die Terminknappheit bei niedergelassenen Ärzten zwingt Patienten zu Ausweichhandlungen: Sie nutzen den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Dessen Nutzerzahlen steigen drei bis vier Wochen vor Quartalsende um 19 Prozentpunkte. Allerdings: Für die Notaufnahmen in Kliniken findet sich kein solcher Effekt.

Einen Ausweg könnten Praxisgemeinschaften bieten. Insbesondere, wenn mehrere Fachrichtungen vertreten sind, könnten Ausfälle und Schwankungen bei den Leistungserstattungen eher kompensiert werden so die Studie.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare