Start-ups werben Rekordsumme ein

Digital von Michael Fiedler

Rekordjahr für Deutsche Start-ups: Die Investitionssumme in Start-ups stieg 2017 um 88 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Wie FinTechs dabei abschnitten und welche Trends sich ablesen lassen.

FinTech StartUp Berlin Rekord Investition

"Record" war der Name eines alten berliner Autoherstellers. Heute sorgen Berliner Start-Ups für Rekord-Meldungen. Bild: pixabay / bernswaelz

2017 war ein Rekordjahr für deutsche Start-ups. Insgesamt wurden 4,3 Milliarden Euro eingeworben – im Vorjahr waren es noch 2,3 Milliarden. Ein Grund für das starke Wachstum lässt sich auch aus dem Start-up-Barometer der Beratungsgesellschaft EY (Ernest & Young) ablesen: Deals, mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro, blieben 2016 aus. 2017 hingegen gab es einige davon. So stieg der südafrikanische Investor Naspers mit 387 Millionen Euro bei dem Essenslieferdienst Delivery Hero ein – der größte Einzeldeal 2017. 423 Millionen flossen dem Unternehmen nach seinem Börsengang im Juni zu. Der Berliner Auto-Großhändler Auto1 erhielt von verschiedenen Investoren 360 Millionen Euro.

Berlin dominiert Start-up-Szene

Diese Mega-Deals machen sich auch bemerkbar, wenn man schaut, in welchen Bundesländern Start-ups die höchsten Investitionssummen einsammelten. Insgesamt 69 Prozent der Gelder flossen 2017 in Berliner Start-ups; im Vorjahr lag der Anteil Berlins bei 48 Prozent.

  1. Berlin: knapp 3 Milliarden Euro
  2. Bayern: 407 Millionen Euro
  3. Hamburg: 230 Millionen Euro
  4. Baden-Württemberg: 207 Millionen Euro
  5. Thüringen: 118 Millionen Euro
  6. Nordrhein-Westfalen: 96 Millionen Euro

Der Standort Berlin habe eine hohe internationale Sichtbarkeit erreicht und liege gleichauf mit Paris nur leicht hinter London. „Das ist nicht nur gut für Berlin, sondern für die gesamte deutsche Start-up Landschaft“, so Peter Lennartz, Partner bei EY. Tatsächlich erhalten immer mehr deutsche Start-ups frisches Kapital. Die Zahl der Unternehmen, die eine Finanzierungsrunde abschließen konnten, stieg von 442 auf 475.

Start-ups: Bereit zur Übernahme

Weitere Beobachtung von Lennartz: „Die Bereitschaft in deutschen Konzernen, mit innovativen Start-ups zusammenzuarbeiten oder sie ganz zu übernehmen, um den digitalen Wandel im eigenen Haus weiter voranzutreiben, ist im vergangenen Jahr nochmal kräftig gestiegen.“ Ein Vorgehen, wie es auch in der Versicherungsbranche festzustellen ist.

FinTechs: 126 Mio. Euro mehr

Betrachtet nach Branchen, konnten E-Commerce-Unternehmen am stärksten vom Start-up-Boom profitieren und sammelten 1,8 Milliarden Euro ein. Im Vorjahr waren es noch 438 Millionen Euro, die in diesen Bereich investiert wurden.

Im Bereich der FinTechs stieg die Investitionssumme um 126 Millionen auf nunmehr 541 Millionen Euro. Führend war hier das Segment „Lending“ mit knapp 250 Millionen Euro eingeworbenem Kapital. Unter „Lending“ versteht man Möglichkeiten, Investoren und Kreditnehmer ohne zwischengeschalte Bank zueinander zu bringen. Auf den Rängen zwei und drei folgen die Sub-Sektoren Saving und Payments, die es jeweils auf ein Investitionsvolumen von 100 Millionen oder mehr brachten. InsurTechs konnten laut EY-Barometer 40 Millionen Euro einwerben.

Große Zuwächse sind auch im Health-Bereich zu verzeichnen, der ebenfalls für die Versicherungsbranche Relevanz besitzt. Hier stiegen die Investitionen von 291 auf 522 Millionen Euro. Führend waren hier Biotechnologie-Unternehmen (Life-Science), die allein 374 Millionen Euro Investitionssumme einsammelten.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare