"Raus aus den Policen": Ex-Vorstand prognostiziert Crash

Versicherungen Top News von Martin Thaler

Ernstgemeinte Warnung oder reines PR-Manöver? Sven Enger, ehemaliger CEO von Standard Life Deutschland, warnt vor einem Kollaps der Lebensversicherung und kritisiert seine Ex-Kollegen. Auf eine Antwort musste der ehemalige Manager nicht lange warten.

Sven Enger war in der Branche unter anderem als CEO für Standard Life Deutschland aktiv.

Sven Enger war in der Branche unter anderem als CEO für Standard Life Deutschland aktiv. Foto: Standard Life

Die Botschaft, die sich aus dem letzten Alterssicherungsbericht der Bundesregierung herauslesen ließ, war eindeutig: Das Versorgungsniveau der künftigen Rentner werden „ohne zusätzliche Altersvorsorge in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen“, mahnte die Bundesregierung zur privaten Altersvorsorge.

Nun aber meldet sich ein ehemaliger Versicherungsmanager mit einem Buch zu Wort, das an der Versicherungsbranche, über die ein Großteil der Deutschen ihre private Altersvorsorge betreibt, kein gutes Haar lässt. Sven Enger heißt der Manager, seinerseits unter anderem Vertriebsdirektor bei der Delta Lloyd, Vorstand der Skandia Lebensversicherung und Deutschland-Chef von Standard Life. Enger hat ein Buch geschrieben („Alt, arm und abgezockt“), das an diesem Freitag erscheinen wird.  

Hierin findet er deutliche Worte: Der Lebensversicherung drohe ein Crash und eine massenhafte Kapitalvernichtung, erzählt der Ex-Manager und jetzige Keynote-Speaker gegenüber der Hamburger Zeitschrift „Stern“. „Die Sparer landen hier auf der Müllkippe der Versicherungsindustrie“ kritisiert Enger den vollzogenen oder geplanten Verkauf von Lebensversicherungs-Beständen an externe Run-Off-Plattformen, den er als Anzeichen der von ihm prognostizierten Krise wertet.  

Ein weiteres Indiz seien die sinkenden Überschussbeteiligungen. Hier seien gegenüber dem Kunden teils sieben bis acht Prozent in Aussicht gestellt worden, so Enger, und verweist auf die derzeitig weiter sinkenden Überschüsse der Lebensversicherer (hier ein Überblick über die Überschussbeteiligungen der 10 größten LV-Unternehmen).

Zudem vertritt der einstige Standard-Life-Chef die Auffassung, dass die einstigen hohen Garantiezinsen für einige Unternehmen bald nicht mehr zu stemmen sein werden. Auch die 2002 von den Versicherern gegründete Auffanggesellschaft Protektor sei dann überfordert, wenn ein größerer Versicherer in die Knie gehe, so Enger. Bei Protektor klang das zuletzt allerdings anders: „An Geld würde es nicht mangeln“, hatte dessen Chef Jörg Westphal 2016 gegenüber dem Handelsblatt erklärt, auch die Schieflage eines größeren Versicherers auffangen zu können.  

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