Pflege: Gesamtkosten um 20 Prozent gestiegen

Berater von Michael Fiedler

Das Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) ist seit einem Jahr wirksam. Seitdem erhalten mehr Menschen Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Doch das Vertrauen der Deutschen darauf, selbst gut abgesichert zu sein, ist nicht gestiegen.

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Pflegevorsorge: Die Mehrheit der Deutschen hat das Gefühl, nicht gut genug versichert zu sein. Bild: pixabay / rawpixel

Seit genau einem Jahr ist das Pflegestärkungsgesetz II wirksam. Mit der Reform wurde u.a. die Unterscheidung zwischen körperlichen und geistigen Einschränkungen aufgehoben, ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt und die Pflegestufen durch Pflegegrade ersetzt.

Ersten Auswertungen des Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) zufolge, bezogen in den ersten 7 Monaten des Jahres 2017 175.000 Personen mehr erstmals Leistungen als im Vorjahreszeitraum (2016). Bis Jahresende stieg diese Zahl auf insgesamt 250.000 Menschen.

Ein Anstieg lässt sich auch bei den Kosten feststellen: So sind die Gesamtausgaben nach Angaben der Bundesregierung seit der Reform um etwa 20 Prozent gestiegen. Dass angesichts des demografischen Wandels mit weiteren Kostensteigerungen zu rechnen und zusätzliche, private Vorsorge nötig ist, scheint vielen Menschen bewusst. Diesen Schluss legen zumindest Umfragen nahe. Doch gehandelt wird nicht. So zeigte der Axa-Deutschlandreport 2017, dass sich ein Großteil der Befragten zwar schlecht abgesichert fühlt; doch für eine ausreichende Vorsorge würden die finanziellen Mittel fehlen – 36 Prozent gaben das an.

Ganz ähnliche Ergebnisse legt nun eine Umfrage vor, die Swiss Life Select im Dezember 2017 von YouGov durchführen ließ. Demnach befürchten 77 Prozent der Deutschen, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nicht für den eigenen Pflegefall ausreichen wird. 56 Prozent der Befragten haben das Gefühl, nicht gut genug versichert zu sein. Während 59 Prozent auf eine gesetzliche Pflegeversicherung setzen, ist nur eine Minderheit (15 Prozent) privat versichert.
Weitaus höher als im Axa-Deutschlandreport ist die Zahl derer, die angeben, nicht über die notwendigen finanziellen Mittel zu verfügen. So geben laut YouGov-Befragung 63 Prozent an, dass sie sich zusätzliche Absicherung „(derzeit) finanziell nicht leisten“ können.

Konsum statt Vorsorge?

„Es zeigt sich aber auch, dass 39 Prozent der Befragten über 1.000 Euro im Jahr für Urlaubsreisen und Ausflüge ausgeben. Knapp die Hälfte investiert bis zu 100 Euro im Monat für Musik- und Streamingdienste, Pay TV sowie Gaming. Für viele Menschen konkurriert somit das kurzfristige Konsumverhalten mit der selbstbestimmten Gestaltung ihrer Pflegesituation“, schlussfolgert Dr. Günther Blaich, Geschäftsführer von Swiss Life Select.

Abhilfe könne nur Aufklärung schaffen. Laut Umfrage geben 20 Prozent der Befragten an, dass sie zu wenig über die Möglichkeiten einer guten Absicherung wissen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen. Hier sei auch die Finanzdienstleistungsbranche gefordert.

Zur Studie:
Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH. An der Befragung zwischen dem 18.12. und 20.12.2017 nahmen 2.032 Personen teil. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung (Alter 18+).

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