Lebensversicherung: GDV will "neue Impulse" von der Politik

Versicherungen von Michael Fiedler

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stellte die Zahlen des Geschäftsjahres 2017 vor. Einige Aussagen von GDV-Präsident Wolfgang Weiler ließen dabei aufhorchen.

Wolfgang Weiler GDV Statistik Lebensversicherung

Fordert in Sachen Altersvorsorge neue Impulse von der Politik: GDV-Präsident Wolfgang Weiler. Bild: GDV

Der deutschen Versicherungswirtschaft geht es besser, als sie selber erwartet hat. So die Kernbotschaft auf der Jahrespressekonferenz des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Mittwoch in Berlin. Der Verband stellte die Kernzahlen des vergangenen Geschäftsjahrs für Leben-, Kranken- sowie Schaden- und Unfallversicherung vor. Demnach konnten in allen drei Sparten die Beitragseinnahmen gesteigert werden. Insgesamt nahmen die Versicherer über alle drei Sparten hinweg 197,7 Milliarden Euro ein.

Lebensversicherung: Stornoquote stabil

Zwar musste in der Lebensversicherung ein Beitragsrückgang verzeichnet werden; doch dieser fiel geringer aus, als vorhergesagt (Prognose: -0,5 Prozent/ Ergebnis: -0,1 Prozent). Beim Neugeschäft verringerten sich Einnahmen bei Verträgen gegen laufenden Beitrag auf 5,2 Milliarden Euro - ein Rückgang um 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wesentlich geringer - und damit besser als erwartet - fiel der Rückgang bei Verträgen gegen Einmalzahlung aus. In diesem Segment wurden 26,1 Millionen Euro Beitragseinnahmen verzeichnet. Der GDV erwartet eine ähnliche Stornoquote wie im Vorjahr (2,8 Prozent).

Wachsender Anteil: Alternative Garantie-Modelle

Laut GDV-Auswertung können Produkte mit alternativen Garantiekonzepten weiter wachsende Anteile im Neugeschäft verbuchen. Knapp die Hälfte aller Neuverträge würden inzwischen auf diese Produktgruppe entfallen. Der Anteil klassischer Policen mit durchgehender Garantieverzinsung sank hingegen auf 40 Prozent.

Leichter Aufwind: Betriebliche Altersversorgung

Einen leichten Zuwachs von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr konnte bei den bAV-Verträgen vermeldet werden. Deren Gesamtzahl beläuft sich damit auf 15,7 Millionen. Mit einem Beitragsvolumen von 19,4 Milliarden Euro macht die bAV mittlerweile einen Anteil von 21,3 Prozent an den gesamten Beitragseinnahmen Leben aus. Im Jahr 2000 waren es noch 12,7 Prozent.

Assets under Management

Auch, wenn die Niedrigzinsen die Branche weiter belasten, wie Weiler sagte, wuchs die Summe der verwaltenen Kapitalanlagen. Diese dienen zur Bedeckung der Kundenansprüche und wuchsen in den letzten fünf Jahren im Schnitt um jährlich 3,03 Prozent auf jetzt 893 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Nettokapitalverzinsung der Lebensversicherer lag 2017 mit 4,5 Prozent leicht über dem Vorjahresniveau.

Impulse der Politik gefordert

Insgesamt sieht der Verband die Branche auf einem guten Weg; ein leichtes Beitragsplus wird erwartet. Doch Weiler äußerte auch Anliegen: "Mit Blick auf die niedrigen Zinsen und die demografische Entwicklung benötigen wir für die weitere Verbreitung der Altersvorsorge jedoch neue Impulse aus unserer Branche und der Politik."
Gerade mit der Forderung nach Impulsen aus der Politik sollte Weiler jedoch vorsichtig sein. Steht doch in diesem Jahr die Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) an. Und der Finanzausschuss des Bundestags kündigte eine "Komplettbewertung der Versicherungslandschaft" an. Nicht, dass Weilers Forderung nach Impulsen zum Boomerang für Branche wird.

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