Kfz-Versicherung: ADAC fordert "offene Telematik-Plattform"

Versicherungen von Michael Fiedler

Kundendaten sind der Zankapfel zwischen Automobilherstellern und Versicherungen. Auf dem "Goslar Diskurs" forderte der ADAC eine offene Telematik-Plattform. Wie das gemeint ist und warum der ADAC damit eine Lanze für die Versicherer bricht, zeigt die Diskussion im Video.

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Kfz/Telematik: Dr. Jörg Rheinländer, Vorstand der Huk-Coburg, fordert freien Zugang zu Daten. Bild: Goslar Diskurs

Wer viel über Fahrgewohnheiten, Fahrweise und bevorzugte Strecken von Autofahrern weiß, kann "passgenaue" Produkte und Dienstleistungen anbieten. Soweit eine der Verheißungen, die mit Telematik-Tarife einhergeht. Automobilhersteller, Versicherer und Ersatzteilbranche wollen von diesem Datenschatz profitieren und sich den Zugang zu den "Geschäftsmodellen der Zukunft" nicht verstellen lassen.

Wie diese Problematik gelöst werden könnte, war Gegenstand der Diskurs-Veranstaltung des "Goslar Instituts für verbrauchergerechtes Versichern" zum Thema "Hase und Igel: Wie man vom PKW oder der Police zum Mobilitätsservice kommt".
Bei dem Institut handelt es sich um eine Initiative der Huk-Coburg. Der Versicherer bietet seit gut einem Jahr einen Telematik-Tarif, den inzwischen rund 50.000 Versicherte nutzen, wie Huk-Vorstand Dr. Rheinländer auf der Veranstaltung erläuterte. Das Interesse der Versicherer an den Daten kleidete Rheinländer in Verbraucherschutz: "Wir brauchen den freien Datenzugang, weil alles andere schlecht für den Verbraucher wäre." Denn nur bei einem freien Wettbewerb der Mobilitätsanbieter ohne Monopolstrukturen könne der Kunde gewinnen, so Dr. Rheinländer. Doch genau das funktioniert nach den Erfahrungen der Experten beim Goslar Diskurs bislang noch nicht. "Die Autohersteller wollen alles, nur nicht, dass die Daten frei sind, die ein Auto generiert", berichtete Guido Reinking.

Der Vizepräsident des ADAC, Ulrich Klaus Becker, pflichtete dem bei und forderte, dass die in den Fahrzeugen erhobenen Daten als persönliche Daten definiert werden und dass der Zugang dazu diskriminierungsfrei organisiert sein müsse. Dazu schwebt dem ADAC-Vize eine offene Telematik-Plattform vor, etwa in Form eines Shared Servers, wie Becker sagte, als ein Datennetz außerhalb der Automobilindustrie. Dort soll dann mit Zustimmung des Kunden auf dessen Daten zugegriffen werden können, etwa um einem Versicherer bestimmte Informationen zukommen zu lassen. Es gelte aufzupassen, dass in diesem Bereich nichts monopolisiert wird, warnte Becker.

Video: "Hase und Igel: Wie man vom PKW oder der Police zum Mobilitätsservice kommt"

 

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