GKV: Kosten steigen - Aufsicht ermittelt

Versicherungen von Michael Fiedler

Die Kosten im Gesundheitswesen steigen massiv. Allein durch Demografie sei das nicht zu erklären, so die Kassen. Sparen sie deshalb an der Qualität von Heil- und Hilfsmitteln? Das Bundesversicherungsamt ermittelt.

Kosten Gesundheit Heil- und Hilfsmittel Krankenversicherung

Barmer-Vorstand Prof. Dr. Straub: Spart "seine" Kasse an der Qualität von Heil- und Hilfsmitteln? Bild: Britta Pedersen/dpa

Allein bei der Barmer/GEK – mit 9,3 Millionen Versicherten Deutschlands zweitgrößte GKV – haben die Gesamtausgaben für Heil- und Hilfsmittel 2016 erstmals die Schwelle von einer Milliarde Euro überschritten. Das zeigt der aktuelle Heil- und Hilfsmittelreport 2017 der Kasse. Der Kostenanstieg betrug bei:

  • Hilfsmitteln 9 Prozent; das entspricht 84 Millionen Euro
  • Heilmitteln 3 Prozent; entspricht 26 Millionen Euro

Doch allein mit der demografischen Entwicklung lässt sich dieser Kostenanstieg nicht erklären. Denn die Anzahl der Versicherten, die Heil- Hilfsmittel in Anspruch genommen haben, ist im selben Zeitraum beinahe identisch geblieben.

Regionale Unterschiede – Untersuchungen notwendig

Der Kostenanstieg bei den Heil- und Hilfsmitteln ist keineswegs neu. So haben die Kosten seit 2013 um 18 bzw. 19 Prozent zugelegt. Dabei stellt die Kasse „enorme regionale Unterschiede“ bei den Ausgaben fest. Vergleicht man beispielsweise im Bereich Physiotherapie, dem mit Abstand größten Block unter den Heilmitteln, die Ausgaben pro Versicherten nach Bundesland, fällt eine enorme Spannbreite auf. So wurden 2016 50 Euro pro Versicherten in Bremen ausgegeben; in Sachsen (81 Euro) und Berlin (82 Euro) war es deutlich mehr.
„Die regionalen Differenzen bei den Ausgaben sind derart groß, dass sie durch unterschiedliche Häufigkeit oder Schwere der Erkrankungen nicht zu erklären sind. Die Versorgung in den einzelnen Ländern fällt offenbar unabhängig von medizinischen Notwendigkeiten stark unterschiedlich aus“, so Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer.

Aus Sicht der Barmer spiele unter anderem das im April 2017 in Kraft getretene Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz eine Rolle bei der Kostensteigerung. So sei mit dem Gesetz die Bindung der Budgetsteigerungen an die Grundlohnsumme aufgehoben worden. Leistungserbringer würden seit dem Wegfall dieser Orientierungsgröße deutlich höhere Vergütungsanhebungen erzielen.
„Es besteht die Gefahr erheblicher Kostensteigerungen, wenn Patienten länger oder aufwändiger behandelt werden, als es rein medizinisch notwendig wäre. Hier darf der Zusammenhang zwischen einer bestmöglichen, aber auch wirtschaftlich klugen Versorgung nicht aus dem Auge verloren werden“, betonte Straub.

Versorgung: Was entscheidet? Preis oder Qualität?

Die Äußerungen von Straub erscheinen seit Wochenbeginn in neuem Licht. Denn wie nun bekannt wurde, ermittelt das Bundesversicherungsamt u.a. auch gegen die Barmer. Verdacht: Bei der Vergabe von Heil- und Hilfsmitteln wird mehr auf den Preis statt auf die Qualität geachtet. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) wurde der Präsident des Bundesversicherungsamtes, Frank Plate, konkret: „Gegenstand der aufsichtsrechtlichen Prüfung sind Verträge zur Versorgung mit Beatmungs-, Atemtherapiegeräten und zur Stomaversorgung.“ Bei der DAK würden Ausschreibungen für Inkontinenzprodukte geprüft.
CDU-Gesundheitspolitiker Roy Kühne kritisierte die Vergabepraxis der beiden Kassen. Im Gesetz sei festgelegt, dass der Preis nur zu 50 Prozent in die Vergabe einfließen dürfe. Kühne schaltete das Bundesversicherungsamt ein.

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