"Für den konservativen Sparbuchsparer sind Bitcoins völlig ungeeignet"

Sachwerte Top News von Martin Morgenstern

Immer mehr Kryptowährungen ziehen Anleger und Spekulanten in ihren Bann. Doch worauf sollten sich diese gefasst machen? Welche Gefahren drohen und kommt eine staatliche Regulierung? procontra sprach hierüber mit Dr. Peter Scholz, Professor an der Hamburger School of Business Administration (HSBA).

Seit 2013 Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Segment Banking an der Hamburger School of Business Administration: Dr. Peter Scholz.

Seit 2013 Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Segment Banking an der Hamburger School of Business Administration: Dr. Peter Scholz. Foto: HSBA

procontra: Der Bitcoin ist seit 2009 am Markt. Seitdem ist der Hype um Kryptowährungen beinahe ungebrochen. Woher kommt diese konstante Begeisterung für eine digitale Währung ohne Gegenwert?  

Dr. Peter Scholz: Am Anfang war der Bitcoin mehr ein Experiment und hat eher Menschen begeistert, die der Zentralbankpolitik besonders skeptisch entgegenstanden bzw. die besonders technik-affin sind und an der Blockchain-Technologie interessiert waren. Danach kamen immer mehr Anwender, die auch den praktischen ökonomischen Nutzen sahen: grenzüberschreitender und unkontrollierter Zahlungsverkehr. Da die Menge an Bitcoins begrenzt ist, führt dies naturgemäß zu einer Wertsteigerung. Und steigende Kurse ziehen dann immer mehr Investoren und/oder Spekulanten an, was die Nachfrage weiter befeuert.   Die Frage nach dem Wert einer Kryptowährung liegt im Vertrauen der Menschen begründet: Solange Menschen bereit sind, andere Wertgegenstände für die Kryptowährung einzutauschen, so lange hat sie auch einen Wert. Man kann ja auch fragen: Welcher reale Wert steckt hinter dem Euro? Oder hinter Gold? Im Endeffekt ist es immer die Wertschätzung, die Menschen einer Währung entgegenbringen.   

procontra: Der Managing Director Dave Chapman von Octagon Strategy geht davon aus, dass der Preis für einen Bitcoin im Jahr 2018 auf bis zu 100.000 US-Dollar steigen kann. Der bisherige Trend geht also ungebremst weiter?

Scholz: Grundsätzlich ist es möglich. Wer hätte vor einem Jahr geglaubt, dass der Bitcoin auf $20.000 steigt? Ich stehe solchen Prognosen dennoch skeptisch gegenüber: Wie fundiert kann diese Schätzung sein? Aus meiner Sicht betreibt er ein Spiel: Trifft die Prognose ein, dann gewinnt er an Reputation, weil es sich darauf berufen kann, den Kursanstieg vorhergesagt zu haben. Damit kann man mit vorgeblicher Weitsicht aus der Masse hervorstechen. Trifft die Prognose nicht ein, werden sich in einem Jahr nur die wenigsten erinnern. Für mich ist diese Prognose daher ein Muster ohne Wert.   

procontra: Die Stimmen, die vor der Unkalkulierbarkeit von Kryptowährungen warnen, mehrten sich zuletzt. So hat zum Beispiel die BaFin vor dem Totalverlust bei Kryptowährungen gewarnt. Wo liegen die Stolpersteine und welche Risiken birgt das digitale Geld?  

Scholz: Ein Hauptproblem ist die Masse an neuen Emissionen: Wer sein Geld in einer neuen, kleinen, unbekannten Kryptowährung anlegt, geht sicherlich ein hohes Risiko ein, einen Totalverlust zu erleiden. Im Bitcoin selbst können Verluste sehr hoch ausfallen – denn die Kryptowährung weist eine hohe Volatilität auf. Allerdings dürfte ein Totalverlust in Bitcoin im Moment eher hypothetisch sein. Ein langfristiger, schleichender Totalverlust bei zunehmender Abwendung vom Bitcoin ist dagegen möglich. Das ist wie bei Kommunikationsplattformen: Je mehr User abwandern, umso höher ist der Anreiz für die verbleibenden Nutzer, ebenfalls zu gehen. Der Wechsel führt dann zum neuen „Darling“ der Nutzer.  

procontra: Bitcoin-Futures werden mittlerweile an US-amerikanischen Börsen gehandelt. Auch die deutsche Terminbörse Eurex will nachziehen. Inwieweit eignen sich Kryptowährungen als Anlageinstrument?

Scholz: Dies ist tatsächlich Gegenstand eines aktuellen Forschungspapers, dass ich zusammen mit meinem Doktoranden Sinan Krückeberg schreibe. Die Einführung von Futures auf den Bitcoin ist zumindest ein Fingerzeig, dass sich Kryptowährungen als Anlageinstrument etablieren könnten. Im Moment ist es aber eher ein Experiment und Instrument für Spekulanten.  

Seite 1: Welche Risiken birgt das digitale Geld?
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