Die 6 Hauptgründe für Überschuldung

Ratenkreditmarkt Themenseite von Bernd Schlagensetter

Immer mehr Deutsche gelten als überschuldet, können ihre Schulden also nicht mehr bedienen. Maßgeblich sechs Faktoren sind dabei für einen Sturz in die Schuldenfalle verantwortlich.

istockphoto.com/baona

In Deutschland brummt die Wirtschaft. Und doch leben immer mehr Deutsche über ihren wirtschaftlichen Verhältnissen. Denn seit 2014 steigt die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland immer weiter an – dies besagt der „Schuldneratlas“ der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. 

Einmal pro Jahr schaut das Berliner Unternehmen, wie viele Deutsche ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen oder ihre Kredite nicht tilgen können. Das Ergebnis für dieses Jahr: Zum 1. Oktober wurde für die gesamte Bundesrepublik eine Überschuldungsquote von 10,04 Prozent ermittelt. Das heißt übersetzt: Mehr als 6,9 Millionen der Über-18-Jährigen in Deutschland gelten als überschuldet, weisen also nachhaltige Zahlungsstörungen auf. Das bedeutet nicht, dass die betroffenen Deutschen kurzfristig ihre Rechnungen nicht bezahlen können. Ein Privathaushalt gilt vielmehr dann als überschuldet, „wenn Einkommen und Vermögen aller Haushaltsmitglieder über einen längeren Zeitraum trotz Reduzierung des Lebensstandards nicht ausreichen, um fällige Forderungen zu begleichen“, wie es dritten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung heißt. 

Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Zuwachs um 65.000 Bürger (+ 0,9 Prozent). Wer jetzt glaubt, dass unter Überschuldung vor allem der ärmste Teil der Gesellschaft leidet, liegt daneben. Der Großteil der Überschuldeten stammt nämlich aus der „Mitte der Gesellschaft“ (insgesamt 4,38 Millionen), die „unteren Schichten“ sind gerade einmal für 770.000 Fälle verantwortlich.

Doch was sind die Ursachen für die Verschuldung? Hierüber gibt eine weitere Studie Auskunft, nämlich der Überschuldungsreport des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (iff). Insgesamt sechs wichtige Auslöser – die sogenannten „Big Six“ – haben die Forscher dabei ausfindig gemacht. Insgesamt waren diese in 73,4 Prozent aller Fälle die Überschuldungsauslöser. 

Als wichtigster Auslöser gilt dabei die Arbeitslosigkeit bzw. reduzierte Arbeit. Diese war in knapp einem Viertel aller Fälle (24,3 Prozent) der Grund für die Überschuldung. Die verbesserte Situation am deutschen Arbeitsmarkt scheint sich allerdings mit ein wenig Verspätung in dieser Statistik widerzuspiegeln. So war die Arbeitslosigkeit in den Jahren 2008/09 noch für mehr als 30 Prozent aller Überschuldungsfälle verantwortlich. 

Als weitere gewichtige Auslöser für Überschuldung gelten Einkommensarmut (11,1 Prozent), eine Scheidung/ Trennung (9,9 Prozent), das eigene Konsumverhalten (9,6) oder eine gescheiterte Selbstständigkeit (8,6). Zudem nimmt die Bedeutung von Krankheiten als wichtigem Überschuldungsauslöser weiter zu – hier ist in den vergangenen Jahren eine deutliche Zunahme erkennbar. 

Dass die wirtschaftliche gute Situation in Deutschland an den Überschuldungszahlen in naher Zukunft etwas ändern wird, damit ist eher nicht zu rechnen. Im Gegenteil: „Vielmehr kann davon ausgegangen werden, dass die Überschuldungszahlen weiter ansteigen werden“, heißt es hierzu von Creditreform.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare